Mit neuem Elan auf zu neuen Zielen

Der Neuanfang kann beginnen: Mit neuem Trainerduo und enormem spielerischen Potenzial startet der TSB Gmünd in Jahr eins nach dem Oberliga-Abstieg

Hintere Reihe von links: Teambetreuer Sebastian Göth, Teambetreuer Wolfgang Schuster, Lukas Waldenmaier, Dominik Sos, Yannik Leichs, Teambetreuer Ernst Heidler, Teambetreuer Holger Sohnle
Mittlere Reihe von links: Co-Trainer Patrick Schamberger, Sportlicher Leiter Jürgen Rilli, Jonas Waldenmaier, Sven Petersen, Hendrik Prahst, Christian Waibel, Jan Häfner, Cheftrainer Stefan Klaus
Vordere Reihe von links: Wolfgang Bächle, Aaron Fröhlich, Sebastian Fabian, Giovanni Gentile, Felix Häfner, Lukas Kauderer
(Foto: Jörg Frenze / JF-FotoStyle)

Nach vier Jahren Abstinenz ist der TSB Gmünd zurück in der Württembergliga – sowohl der TSB als auch die Liga haben sich in dieser Zeit verändert. Nicht wenige Konkurrenten zählen den Absteiger zu den heißen Titelanwärtern, doch der neue Coach Stefan Klaus weist die Favoritenrolle klar von sich. Denn der Neuanfang beim TSB birgt zahlreiche Schwierigkeiten.

„Für uns beginnt eine neue, ambitionierte Herausforderung“, so blickt Stefan Klaus der neuen Saison entgegen. In den ersten drei Monaten seiner Amtszeit, der für seine Mannen kräftezehrenden Sommervorbereitung, standen Fitness und Kondition zunächst an erster Stelle – aber auch die mentale Arbeit. Denn es galt, den schmerzhaften Oberliga-Abstieg, möglichst schnell wieder aus den Köpfen herauszubekommen. Auch der neue Trainer macht keinen Hehl daraus, dass er den TSB lieber in der Viertklassigkeit übernommen hätte, blickt aber viel lieber voraus: „Es ist wichtig, dass wir uns nun auf die eigenen Stärken besinnen und auf unser vorhandenes Potenzial aufbauen. Wir müssen jetzt nach vorne schauen, Qualität ist genügend vorhanden.“

Der 41-Jährige hat nach seinem Amtsantritt nicht alles auf den Kopf gestellt, aber dennoch versucht, an einigen Stellschrauben zu drehen. Tatkräftige Unterstützung erhält Klaus auf seiner Mission von Patrick Schamberger, der zwei Jahre nach seinem Karriereende sowie einem kurzen Intermezzo beim Landesligisten SG Schorndorf nun als Co-Trainer an altbekannte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist. Schamberger sieht seine Hauptaufgabe darin, die Mannschaft im athletischen Bereich vorzubereiten. Mit zehn Spielern aus dem aktuellen Kader stand das TSB-Urgestein während seiner Aktivenzeit bereits gemeinsam auf der Platte, so dass auch Klaus auf diese Weise die Eingewöhnung erleichtert wurde. "Es ist immer wichtig, jemanden zur Seite zu haben, der sich auskennt, die Spieler kennt und mich im Trainingsbetrieb unterstützt, falls ich beruflich einmal fehlen sollte“, erklärt dieser. Der langjährige Coach der SG Lauterstein war bereits seit geraumer Zeit Wunschkandidat für den Trainerposten beim TSB, da klar war, dass die Ära Michael Hieber irgendwann enden wird. Umso bitterer war es, dass sich Hieber mit dem Abstieg von der Bank verabschiedete und nun im Hintergrund für Marketing und Jugendarbeit tätig sein wird – doch nun ist der Weg frei für den Neuanfang.

In spielerischer Hinsicht allerdings hat Klaus den Fokus zunächst auf die Abwehrarbeit gelegt, wie es sein Vorgänger wohl auch gemacht wird. Das einstige Gmünder Prunkstück soll wieder zu alter Stabilität zurückfinden. Denn Fakt ist: 910 Gegentore in der vergangenen Saison – durchschnittlich also 30,3 pro Begegnung – waren ein Hauptgrund dafür, dass es nicht zum Klassenerhalt gereicht hat. Klaus erkannte frühzeitig „das Potenzial, dass wir im Verbund mit einem starken Torhüter eine vernünftige Defensive aufbauen kann.“ Im Unterschied zu Michael Hieber bevorzugt der Klaus allerdings offensivere Formationen: „Aufgrund unserer Körperkonstitution werden wir nicht stur bei der 6-0-Abwehr bleiben.“ Zugleich wolle man dadurch das Umschaltspiel forcieren und wieder mehr einfache Tore durch Gegenstöße erzielen – ein weiteres Manko aus der Vorsaison. „Was wir hinten verteidigen können, müssen wir uns vorne nicht umso härter erarbeiten“, lautet die Devise des neuen Coaches.

Die Kadersituation hat sich im Laufe der Vorbereitung verbessert. Hatten zunächst insbesondere die Abgänge von Jonas Leinß (Auslandsaufenthalt) und Philipp Schwenk (pausiert verletzungsbedingt) eine Lücke in den Rückraum gerissen, ist diese zwar noch längst geschlossen. Aber die Chancen stehen gut, dass die Gmünder diese personellen Verluste auf Dauer kompensieren können. Durch die (vorläufige) Rückkehr der beiden Bosnier Anis Bojic und Belmin Nadarevic stehen Klaus nunmehr 14 statt anfangs nur 12 Feldspieler zur Verfügung. Nicht zu vergessen auch, dass sich die beiden mit einem Doppelspielrecht ausgestatten Youngster Lukas Kauderer und Hendrik Prahst (beide aus der A-Jugend des TSV Bartenbach) bereits glänzend akklimatisiert haben.

Tor: Als Schlussmann ist Sebastian Fabian (30) gesetzt. Der Rückhalt steht symbolisch für seine Mannschaft, will doch auch er wieder zu alter Stärke zurückfinden. „Das vergangene Jahr würde ich persönlich als meine schlechteste Saison betiteln“, sagt Fabian selbstkritisch. Als zweiter Keeper scharrt einer seiner ehemaligen Schüler mit den Hufen: TSB-Eigengewächs Giovanni Gentile (19) will weiter dazulernen, Spielpraxis sammeln und zu einem verlässlichen Vertreter seines Ex-Jugendtrainers heranwachsen.

Abwehr: Der Mittelblock mit Christian Waibel (30) und Lukas Waldenmaier (23) war – abgesehen von der vergangenen Saison – ein nahezu unüberwindbares Bollwerk, an dem sich auch einige aktuelle Drittligisten schon einmal die Zähne ausgebissen haben. Waibel ist nach längerer Ausfallzeit allmählich wieder voll belastbar. Auch der groß gewachsene Hendrik Prahst (18) könnte an dieser Stelle seine Qualitäten einbringen. Ebenfalls besitzt Anis Bojic (23) die perfekte Statur für diese Rolle, benötigt aber noch Eingewöhnungszeit. Sind alle vier fit, hat Stefan Klaus die Qual der Wahl.

Rechtsaußen: Wolfgang Bächle (24) ist gesetzt, will aber seine schwächere Vorsaison mit „nur“ 109 Treffern vergessen machen. Als hochqualifizierte Alternative steht mit Belmin Nadarevic (19) ein bosnischer Jugend-Nationalspieler bereit, der seine Qualitäten in den bisherigen Einsätzen für den TSB bereits angedeutet hat.

Rückraum: Mittelmann, Regisseur und interner Torschützenkönig – Aaron Fröhlich (28) wird auch weiterhin als Fixpunkt des Gmünder Offensivspiels im Fokus stehen. Doch er soll besser entlastet werden als dies zuletzt der Fall war. Zur Seite stehen ihm Dominik Sos (25) auf Halblinks sowie mit Sven Petersen (19) der einzige gelernte Linkshänder. Klassische Allzweckwaffen sind die beiden Youngster Lukas Kauderer (18) und Yannik Leichs (18), dessen „super Entwicklung“ Stefan Klaus fasziniert. Auch Anis Bojic und Jan Häfner sind immer zuverlässig zur Stelle, wenn sie gebraucht werden.

Linksaußen: Auf dieser Position erwartet der neue Trainer deutlich mehr Durchschlagskraft, nachdem sich sein ehemaliger Schützling Nico Krauß (zur SG Bettringen gewechselt) im vergangenen Jahr nicht durchsetzen konnte. Felix Häfner (26) und Jan Häfner (25) sollen im Wechsel für Furore und Treffsicherheit sorgen.

Kreis: Jonas Waldenmaier (22) will an seine starken Leistungen anknüpfen und hat in Hendrik Prahst mehr einen neuen Mitstreiter denn Konkurrenten gefunden – denn Stefan Klaus lässt auch gerne einmal zwei Kreisläufer antreten, um den Rückraumspielern mehr Freiräume zu verschaffen.

Ein Nachteil im Kader: Bei möglichen Terminkollisionen müsste der TSB auf seine drei A-Jugendlichen, die mit einem Doppelspielrecht ausgestatteten Kauderer, Prahst (Bartenbach) und Leichs (Göppingen) verzichten. Nach externen Neuzugängen wurde zwar Ausschau gehalten, wie gewohnt können die Gmünder aber keine finanziellen Kunststücke vollbringen und bauen in altbekannter Manier auf die jungen Talente. Langjährige Bundesligaspieler á la Adrian Pfahl und Dragan Jerkovic werden auch in naher Zukunft ziemlich sicher nicht im TSB-Dress zu sehen sein.

Die Favoritenrolle in der Südstaffel weist Klaus daher entschieden von sich, auch wenn diese dem Absteiger sicherlich von vielen Seiten aus zugeschoben wird: „Damit werden wir sicher konfrontiert werden. Man muss aber ganz klar sagen, dass die Liga mit drei Absteigern aus der BWOL nominell einen äußerst starken Eindruck hinterlässt. Wir wollen eine gute Runde spielen, doch das wird kein Selbstläufer.“ Ziel sei es, oben mitzuspielen. An den Aufstieg verschwendet man noch keinen Gedanken, zumal das erste Jahr nach einem Abstieg bekanntlich das schwerste Jahr ist. „Wir denken perspektivisch und wollen jeden einzelnen Spieler weiterbringen“, betont Klaus und fügt hinzu: „Wenn wir uns spielerisch weiterentwickeln und unseren Zuschauern begeisternde Spiele zeigen, dann hätten wir bereits vieles richtig gemacht.“ 

 

Dass die Rückkehr in die Oberliga nicht planbar ist, weiß Patrick Schamberger aus eigener Erfahrung zu berichten. Der direkte Wiederaufstieg ist auch für den Co-Trainer kein Thema. "Wir haben Qualität, das ist keine Frage. Doch um aufzusteigen, braucht es immer ein wenig Glück, aber auch einen breiten Kader ", so Schamberger, der gerne auf die Aufstiegssaison 2013/14 zurückblickt: "Damals waren wir auf jeder Position doppelt gut besetzt, das lässt sich mit der aktuellen Konstellation gar nicht vergleichen." Beim erfolgreichen Relegationsmarathon 2014 fanden sich mit Max Häfner und Djibril M´Bengue gleich zwei spätere Erstligaspieler im Team – aber auch sechs Akteure, die sich nun mit dem TSB erneut in der Württembergliga wiederfinden. Und warum sollte man Geschichte nicht wiederholen können? Es bleibt jedenfalls spannend beim TSB...

(Nico Schoch)