"In der BWOL ankommen und Fuß fassen"

Keine Punktvorgabe, kein exaktes Saisonziel: Nach dem Wiederaufstieg will der TSB Gmünd möglichst schnell in ruhige Fahrwasser gelangen und die Klasse sichern.
Die Erste Mannschaft des TSB Gmünd in der Saison 2019/20
Hintere Reihe von links: Co-Trainer Patrick Schamberger, Mannschaftsbetreuer Wolfgang Schuster, Jonas Waldenmaier, Tim Albrecht, Yannik Leichs, Christian Waibel, Stephan Mühleisen, Thomas Grau, Dominik Sos, Mannschaftsbetreuer Ernst Heidler, Trainer Stefan Klaus
Vordere Reihe von links: Wolfgang Bächle, Aaron Fröhlich, Aleksa Djokic, Daniel Mühleisen, Giovanni Gentile, Sebastian Fabian, Tom Abt, Sven Petersen, Max Dangelmaier
(Foto: Jörg Frenze / JF-FotoStyle)

Wie soll man sich zu Saisonbeginn positionieren, wenn man als Rückkehrer über ebenso viel Erfahrung wie auch Selbstvertrauen verfügt, aber auch weiß, dass ein ausgeglichenes Punktekonto am Ende möglicherweise nicht zum Klassenerhalt reichen wird? Vor eben dieser Herausforderung steht der TSB, weshalb Trainer Stefan Klaus ganz nüchtern vorgibt: "Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben und dann schauen, was passiert." Für das Oberliga-Comeback sehen sich die Gmünder dank einer Vielzahl an vielversprechenden, entwicklungsfähigen Neuzugängen aber allemal gerüstet.
 
Zwölf Monate sind seit dem Neustart vergangen, nun sieht sich der TSB wieder einer altbekannten Umgebung gegenüber Mit den Worten "besser als erwartet", bilanziert Stefan Klaus seine erste Saison in Gmünd, die mit Platz eins in der Südstaffel sowie dem Gewinn der Württembergischen Meisterschaft nicht erfolgreicher hätte verlaufen können. "Wir hatten keine gravierenden Verletzungsprobleme, waren die konstanteste Mannschaft der Liga und sind deshalb verdient Meister geworden", sagt der Trainer rückblickend, während der Sportliche Leiter Jürgen Rilli unterstreicht: "Mit dem direkten Wiederaufstieg sind wir unseren eigenen Plänen ein Jahr voraus."
 
Was Mut macht: Obwohl mit Jan und Felix Häfner (beide treten kürzer) sowie Lukas Waldenmaier (Fokus auf die berufliche Ausbildung) ein Trio mit Oberliga-Erfahrung und in Hendrik Prahst (pausiert) und Lukas Kauderer (TV Reichenbach) zwei Nachwuchstalente von Bord gingen, sieht Klaus seinen Kader besser aufgestellt als bislang. Beim Trainingslager im Allgäu sei die aus sechs externen Neuzugängen und neun Aufstiegshelden bestehende Mannschaft "handballerisch und gemeinschaftlich zusammengewachsen." Und dennoch hinterlässt der größte Umbruch, den der TSB in den vergangenen Jahren zu meistern hatte, eine gewisse Ungewissheit.
 
Klaus verweist zurecht darauf, dass "wir in der Vorbereitung kein wirkliches Tief hatten und eine gute Mischung von athletischen und handballerischen Training gefunden haben." Mit Sicherheit aber, das räumt auch der Aufstiegscoach ein, sind die "Jets" noch nicht vollständig eingespielt und auch die Neuzugänge spielerisch noch nicht komplett integriert: "Es wird Zeit brauchen, um gewisse Konstellationen sowohl in der Abwehr als auch im Angriff zu finden. Wir haben Kleingruppen, die mehr oder weniger gut harmonieren. Wie die vielen Mosaiksteine letztlich zusammenpassen, das wird sich noch ergeben."
 
Ein solcher personeller Umbruch ist auch für einen Trainer eine besondere, ja sogar ziemlich reizvolle Erfahrung. "Das bestehende Grundgerüst ist ja weiterhin da", berichtet Klaus, "aber wir haben neue Charaktere, neue handballerische Fähigkeiten, neue Persönlichkeiten kennengelernt. Das macht Spaß und ist natürlich auch eine Herausforderung, daraus eine Einheit zu formen." Charakterlich seien alle Akteure einwandfrei, die Schwierigkeit bestehe deshalb vielmehr darin, diese auch in ein bestehendes Spielsystem zu integrieren.
"Unser Fokus liegt weiterhin auf einem geordneten Angriffsspiel", betont Klaus. Heißt im Klartext, dass Aaron Fröhlich auch in seiner nunmehr achten Saison im TSB-Dress als treffsicherer Spielgestalter und emotionaler Leader vorangehen wird. Seine Rolle übernehmen kann auch Yannik Leichs, der sein Potenzial längst angedeutet hat und nach zwei Jahren mit Doppelspielrecht für die Göppinger Bundesliga-Jugend nun vollständig seinem Heimatverein zur Verfügung steht. Flankiert wird Regisseur Fröhlich auf halbrechts von Sven Petersen, der längst zu den zuverlässigen Torschützen gehört, und Neuzugang Tim Albrecht. Auf der halblinken Position sind neben Leichs auch Thomas Grau und Dominik Sos beheimatet, wobei Letzterer aufgrund beruflicher Verpflichtungen wohl nur eingeschränkt zur Verfügung stehen wird. "Als Trainee bei der Allianz werde ich im kommenden Jahr bundesweit unterwegs sein und voraussichtlich auch einmal zwei oder drei Monate am Stück nicht in Gmünd sein", erzählt Sos, "es wird nicht leicht, aber ich schaue, so oft wie möglich da zu sein und viele Spiele zu bestreiten."
 
Komplett neu aufgestellt ist der TSB auf der Linksaußenposition. Statt zweimal Häfner werden dort künftig Aleksa Djokic und Max Dangelmaier wirbeln. Den Gegenpart bildet Wolfgang Bächle als einziger gelernter Rechtsaußen. Die Achillesferse? Ganz und gar nicht, findet Klaus: "Logischerweise wäre ein weiterer Rechtsaußen wünschenswert, da halten wir auch Augen und Ohren offen. Aber mit Tim Albrecht haben wir einen dritten Linkshänder bekommen und damit eine Option mehr." Der Trainer sieht mehr taktische Möglichkeiten als noch im vergangenen Jahr, denn auch das Spiel mit zwei Kreisläufern wurde in den Testspielen bereits durchaus erfolgreich praktiziert.
 
Spannender gestaltet sich die Umstellung in der Defensive, wo nach dem überraschenden Abgang von Lukas Waldenmaier ein neuer Mittelblock kreiert werden muss. Stephan Mühleisen bietet hier wohl die besten Voraussetzungen, um den vakant gewordenen Platz neben Abwehrchef Christian Waibel einzunehmen. "Wir werden uns weiterhin an der 6-0-Formation orientieren, aber auch die 5-1-Formation als Alternative zu festigen", so Klaus. Ganz wichtig ist aus seiner Sicht, dass er durch die Vielseitigkeit eines Thomas Grau oder Stephan Mühleisen nicht mehr automatisch dazu gewungen ist, Spezialistenwechsel zwischen Abwehr und Angriff vorzunehmen. Inwiefern sich der Spielstil dadurch verändern wird oder welche Spieler als gesetzt gelten, da will sich Klaus nicht in die Karten schauen lassen: "Nach zehn Spielen werden wir grundsätzlich erst einmal sehen, wer sich mehr anbietet und wo sich eine Stammformation bildet. Auf jeden Fall kann man sagen, dass wir in der Kaderbreite ausgeglichener sind. Wir haben einen vernünftige Truppe und vertrauen auf ein eingespieltes System."
Hereinschnuppern durften mit Tom Abt und Patrick Watzl bereits die ersten beiden A-Jugendlichen vom "Super-Jahrgang" 2002 des TSB. Die beiden Rückraumtalente gelte es behutsam an den Aktivenbereich heranzuführen, wie Klaus immer wieder gerne anklingen lässt: "Tom ist mit seinen Anlagen einer, der schon ganz klar an der ersten Mannschaft schnuppert. Patrick bauen wir sukzessive ins Training ein. Ansonsten befinden sich die weiteren Jugendspieler eher in dem Bereich, dass sie in der Zweiten eingesetzt und dort auch Spielpraxis sammeln sollen."
 
Um im "Haifischbecken" Oberliga mitschwimmen zu können, dafür benötigen die TSB-Youngster noch Zeit. Denn vor dem Rundenstart wissen die Gmünder trotz ihrer vierjährigen BWOL-Erfahrung noch nicht so recht, wo man sich denn einordnen soll. Eine Prognose abzugeben, das fällt auch dem Chefcoach sichtlich schwer, weshalb er ganz nüchtern vorgibt: "Wichtig ist, dass wir gut in die Saison starten. Nach zehn Spieltagen, das sage ich jedes Jahr und werde es auch immer wieder sagen, wird man sehen, was möglich und wohin die Reise für uns führen kann." Mit Gewissheit kann Klaus nur sagen, dass es im Unterschied zur Württembergliga-Saison, als der TSB meistens die klare Favoritenrolle annahm, nun "kein einfaches Spiel mehr" geben wird. Auf höherem Niveau bestehe die Hauptaufgabe zu Beginn darin, "in der BWOL anzukommen und Fuß zu fassen."
 
Oberste Priorität besitzt es für einen Aufsteiger aber selbstverständlich, die Klasse zu halten und nicht zur Fahrstuhlmannschaft zu mutieren. Während Vorgänger Michael Hieber stets die 26 Punkte-Marke als Maßstab für den Nichtabstieg anlegte, will Stefan Klaus von solchen Hochrechnungen nichts wissen. Und das hat einen Grund: "Dadurch, dass es bis zu sechs Absteiger geben kann, kann man in dieser Liga sogar mit einer ausgeglichenen Punktebilanz absteigen. Deshalb gibt es keine Punktevorgabe von mir. Es ist vieles möglich, weil die Liga derart ausgeglichen ist. Wir wollen einen Tabellenplatz anvisieren, auf dem wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Dann können wir schauen, was wir passiert. Eine Prognose im Vorfeld kann und möchte ich aber nicht abgeben."

TSB Gmünd – Handball-Oberliga Saison 2019/20
Tor
#16 Daniel Mühleisen (22 Jahre, beim TSB seit 2019)
#20 Sebastian Fabian (31, seit 2006)
#33 Giovanni Gentile (20, seit 2004)
Rückraum
#5 Yannik Leichs (19, wieder seit 2016)
#11 Thomas Grau (27, seit 2019)
#13 Aaron Fröhlich (29, seit 2012)
#18 Sven Petersen (20, seit 2004)
#24 Dominik Sos (26, wieder seit 2017)
#44 Tom Abt (16, seit 2009)
#69 Tim Albrecht (23, seit 2019)
Rechtsaußen
#3 Wolfgang Bächle (25, seit 2013)
Linksaußen
#4 Aleksa Djokic (24, seit 2019)
#78 Max Dangelmaier (26, seit 2019)
Kreis
#2 Stephan Mühleisen (22, seit 2019)
#10 Christian Waibel (31, seit 2002)
#30 Jonas Waldenmaier (23, seit 2014)

Trainer- und Betreuerteam
Cheftrainer Stefan Klaus (42)
Co-Trainer Patrick Schamberger (34)
Athletiktrainer Christof Elser (58)
Sportlicher Leiter Jürgen Rilli (53)
Physiotherapeut Manoj Chamakala
Mannschaftsbetreuer Ernst Heidler (64)
Mannschaftsbetreuer Wolfgang Schuster (41)

Neuzugänge: Tom Abt (eigene Jugend), Tim Albrecht (TSV Wolfschlugen), Max Dangelmaier (SG
Lauterstein), Aleksa Djokic (TSV Heiningen), Thomas Grau (TSV Zizishausen), Daniel Mühleisen
(SV Remshalden), Stephan Mühleisen (SG Lauterstein)
Abgänge: Lukas Kauderer (TV Reichenbach), Lukas Waldenmaier (pausiert), Hendrik Prahst
(pausiert), Jan Häfner (pausiert), Felix Häfner (pausiert)

(Nico Schoch)