Die 3. Liga ruft: Was ein Aufstieg für den TSB Gmünd bedeuten würde

Alle direkten Konkurrenten bezwungen und erstmals an der Regionalliga-Spitze – nie war die Aufstiegschance für den TSB Gmünd größer. Im Endspurt soll weiterhin jeder Druck von der Mannschaft ferngehalten werden. Die sportlichen, infrastrukturellen und finanziellen Planungen laufen aber schon auf Hochtouren.

Die Euphorie rund um die „Jets“ wächst. Vor 900 Zuschauern rang der TSB Gmünd am Samstagabend den ehemaligen Drittligisten TVS Baden-Baden mit 35:34 nieder und eroberte die Tabellenführung. Ein gewaltiger Schritt, doch noch ist niemand so weit, um Gratulationen anzunehmen. Das erste Finale sei gewonnen, so ordnete Trainer Aaron Fröhlich ein. Sechs weitere „Endspiele“ stehen noch aus. Doch ein Aufstieg will nicht nur auf dem Feld errungen, sondern auch organisatorisch vorbereitet sein.
 
Bis zum 15. April, also gut drei Wochen vor Saisonende, muss die Meldung für die 3. Liga form- und fristgerecht beim Deutschen Handballbund (DHB) eingereicht werden. Für den Sportlichen Leiter Jürgen Rilli ist die Richtung klar: „Wir werden auf jeden Fall melden. Ich bin froh, dass wir in Gmünd die 3. Liga darstellen können und jeder Einzelne in unserem Umfeld heiß darauf ist.“ Womit sich nicht nur sportlich eine neue Dimension eröffnen würde. Was alleine beim Blick auf die Landkarte klar wird. Erstmals würde der TSB über Baden-Württemberg hinauskommen, etwa in Erlangen oder Würzburg spielen. „Wir gehen unseren Weg unbeirrt weiter und haben die Unterstützung, um das stemmen zu können“, garantiert Rilli.
 
Denn die 3. Liga ist nicht billig. Als Sicherheit für den Spielbetrieb müsste der TSB bis zum 01. August eine selbstschuldnerische Bankbürgschaft in Höhe von 10.000 Euro erbringen. Der Spielklassenbeitrag würde von bislang 1400 Euro auf 2310 Euro (zuzüglich Umsatzsteuer) steigen. Reisekosten, Schiedsrichter- und Zeitnehmergebühren gehen ebenfalls in die Höhe. Auf der anderen Seite sind die Gmünder Handballer schon jetzt so attraktiv wie nie zuvor. In den vergangenen Monaten konnten bereits neue Sponsoren in zweistelliger Anzahl gewonnen werden, so Rilli: „Durch das Auftreten der Mannschaft und die hohe Identifikation sind wir bei Sponsoren und Partnern sehr begehrt.“
Auch neben dem Spielfeld ist der TSB auf jede helfende Hand angewiesen. Die Große Sporthalle muss nach DHB-Standards abgenommen werden. Neben einem ausreichenden Ordnungsdienst und Ersthelfern schreiben die Durchführungsbestimmungen der 3. Liga auch einen vertraglich gebundenen Trainer mit gültiger A- oder B-Lizenz vor. Diese kann Aaron Fröhlich allerdings bis zum Ende der Saison 2026/27 nachreichen. „Aaron kann bereits super Auto fahren, aber er braucht noch den Führerschein“, zieht Rilli schmunzelnd den Vergleich. An der Kompetenz von Bessermacher Fröhlich bestehen ohnehin keine Zweifel: „Wie er während des Spiels agiert und den Gegner vor taktische Herausforderungen stellt, ist herausragend.“ Ebenso wie die Bilanz von 43 Siegen aus 54 Spielen in der bald zweijährigen Amtszeit.
 
Auch medial gilt es, den höheren Ansprüchen gerecht zu werden. Frühzeitig muss ein Mannschaftsfoto eingereicht werden, während der Saison sollen regelmäßig Spielfotos für den DHB bereit gestellt werden. Die Gmünder Heimspiele werden bereits seit fünf Jahren in einem kostenpflichtigen Livestream gezeigt, in der 3. Liga müsste der TSB allerdings vom bisherigen Partner „Solidsport“ auf „sporteurope.tv“ (früher Sportdeutschland) umsatteln. Zusätzlich muss ein möglichst neutraler Kommentator den Livestream begleiten. Am Saisonende erhalten alle teilnehmenden Vereine 50 Prozent der Netto-Erlöse.
 
Wie groß die neue sportliche Herausforderung wäre, zeigt das Beispiel SG Köndringen/Teningen: Vorige Runde waren die Südbadener mit beinahe perfekter Bilanz durch die Regionalliga marschiert, angesichts von derzeit zehn Punkten Rückstand ans rettende Ufer ist der direkte Wiederabstieg sieben Spieltage vor Schluss kaum noch abzuwenden. Drei feste Abstiegsplätze gibt es in den vier 16er-Staffeln, die vor jeder Saison neu eingeteilt werden. Nach zwei herausragenden Spielzeiten in der Spitzengruppe der Regionalliga scheint der TSB reif für den nächsten Schritt zu sein. Die Riege um die Eigengewächse Tom Abt (23 Jahre) und Andreas Maier (24) kommt erst ins beste Handballeralter, für Routine stehen Torwart Daniel Mühleisen (30) und Rechtsaußen Wolfgang Bächle (31). Mit allen Akteuren, auch den bereits vorgestellten Neuzugängen Sören Winger vom TV Bittenfeld II und Fabian Bauer vom TSV Deizisau, plant der TSB ligaunabhängig. Weshalb sich der Sportlicher Leiter hier in einer guten Situation befindet: „Ich bin aktuell auch mit weiteren Spielern im Gespräch. Doch wir haben keinen Druck, dass diese Spieler nur bei einem Aufstieg kommen würden – und wir machen auch nach wie vor gar keinen Druck auf die Mannschaft.“
Wenngleich das Team nun die allerbesten Karten hat. Mit 35:15 Punkten steht der TSB an der Spitze und hat die schärfsten Rivalen HSG Albstadt (35:15), HSG Willstätt/Hanauerland (34:16) sowie Baden-Baden (33:17) jeweils zweimal bezwungen. Einzig beim Tabellendritten TSV Heiningen (34:16) müssen die Gmünder nach ihrem deutlichen 37:24-Hinspielerfolg noch einmal antreten – und das brisanterweise am vorletzten Spieltag. Um bis zum Ende auf einem der beiden direkten Aufstiegsränge zu stehen, will der TSB die anhaltende Euphorie weitertragen. „Spannung und Konzentration hochhalten“, lautet die Devise von Rilli. Er verweist darauf, dass in den nächsten Wochen jene Gegner aus dem Mittelfeld warten, gegen die man sich bislang schwertat. Etwa am Samstag der Elfte HC Neuenbürg, dem die Gmünder vor heimischer Kulisse noch unterlegen waren.
 
Wenn die Revanche gelingt, würde der TSB wohl zum großen Gewinner des Spieltages werden. Denn mit Baden-Baden und Heiningen stehen sich zwei direkte Konkurrenten gegenüber, die HSG Albstadt ist beim starken Tabellensiebten TSV Weinsberg gefordert. Dessen Trainer Edin Hadzimuhamedovic versprach bereits vor zwei Wochen nach dem Gastspiel in Gmünd: „Wir werden selbstverständlich gegen Albstadt alles geben, damit ihr unproblematisch aufsteigen könnt.“ Das Gmünder Publikum reagierte mit tosendem Applaus. Wohlwissend, dass die Tür zur 3. Liga inzwischen so weit offen steht wie noch nie zuvor.

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)