Die Torlawine des Regionalliga-Tabellenführers HSG Albstadt rollt an – hält die umgebaute Abwehr des TSB Gmünd stand? Das Topspiel am Sonntag (17 Uhr / Große Sporthalle) wird in der Aufstiegsfrage einen ersten echten Fingerzeig liefern.

Es hätte die perfekte Ausgangslage sein können: Zweiter gegen Erster, beide Teams mit nur neun Minuspunkten und damit das direkte Duell um die Tabellenspitze. Doch während die HSG Albstadt (27:9 Punkte) zuletzt von Sieg zu Sieg eilte, ist der TSB Gmünd (23:11) durch die 32:36-Niederlage in Steißlingen vorerst auf Rang fünf abgerutscht. Derart eng wie die Spitzengruppe inzwischen zusammengerückt ist, befindet sich die Hälfte der Liga in einem offenen Rennen um die beiden Aufstiegsplätze zur 3. Liga. Und doch spricht vieles dafür, dass genau die beiden Rivalen aus Albstadt und Gmünd am Ende der Saison ganz oben stehen könnten.
Kein klassischer Zweikampf – aber ein Schlüsselspiel
HSG-Trainer Andreas Wendel hat das bevorstehende Gipfeltreffen bereits als „kleines Endspiel“ ausgerufen. Sein Gegenüber Aaron Fröhlich wiederum ist völlig entspannt und ordnet die Lage gewohnt nüchtern ein. „Ich bin mit der Situation, die wir uns erarbeitet haben, sehr zufrieden“, sagt der Gmünder Coach angesichts der Tatsache, dass sein Team erst eine Partie weniger absolviert hat und nach Minuspunkten gerechnet weiterhin auf dem zweiten Rang liegen würde. „Das hätten wir zu Beginn der Saison genauso unterschrieben wie vor fünf Jahren – und genauso heute. Ich finde auch, dass wir uns in einem guten Prozess befinden.“
Drei seiner vergangenen sechs Partien allerdings hat der TSB verloren. Was beim Blick auf Fröhlichs bisherige Amtszeit – 37 Siege aus 47 Spielen – fast schon nach einer kleinen Krise aussieht. Ohne Frage: Die immense Konstanz, die den Vorjahresdritten bis vor wenigen Monaten noch ausgezeichnet hatte, ist abhanden gekommen. Ein „Entwicklungstal“, wie es Fröhlich nennt und auch gar nicht zu sehr dramatisieren möchte. Ganz im Gegenteil: „Ich habe gar keinen Schmerz in dieser Situation, bin voll überzeugt von meiner Mannschaft und dass sie daran wachsen wird. Wie schnell das passiert, liegt ein Stück weit an uns, aber auch an den Gegnern.“Die Abwehr noch in der Findungsphase
Vom TuS Steißlingen wurden die Schwächen in der gebeutelten TSB-Defensive gleich zweimal innerhalb kürzester Zeit eiskalt bestraft. Wie schon beim Hinspiel vor dem Jahreswechsel (33:35) standen die Gmünder auch auswärts in Steißlingen (32:36) früh auf verlorenem Posten, hätten die Partie mit einer besseren Chancenverwertung aber dennoch herumreißen können. Gleichzeitig brachen aber mit dem langfristig verletzten Christian Waibel und Andreas Maier, der noch vor der Halbzeitpause eine umstrittene Rote Karte sah, die wichtigsten Abwehrsäulen weg. „Ich würde es nicht zu stark als Rückschritt sehen“, relativiert Fröhlich deshalb den jüngsten Dämpfer. „In dieser Findungsphase ist es nicht leicht für uns. Doch über weite Strecken der Vorrunde haben wir gezeigt, dass wenn wir ein gutes Gefühl bekommen, auch eine bessere Abwehr stellen können.“
Eine Steigerung wird auch dringend von Nöten sein. Denn die Albstädter, die erst 2024 in die Regionalliga aufgestiegen waren und dort auf Anhieb einen starken fünften Platz belegt hatten, bieten die wohl höchste individuelle Klasse auf. Allen voran ihr gefährliches Zwillingsduo mit Bundesliga-Vergangenheit. Rechtsaußen Gregor Thomann ist mit 142 Treffern der mit Abstand beste Torschütze ligaweit, Julian Thomann ist der Taktgeber und Antreiber im Rückraum. „Sie haben den Kader mit der größten Erfahrung aus höheren Ligen“, so Fröhlich. Im Videostudium seinen ihm viele Stärken aufgefallen, aber „auch ganz viele Sachen, wo wir attackieren und uns durchsetzen können, wenn wir es gut machen.“Eine Torschlacht scheint vorprogrammiert
Die Formkurve spricht für die Gäste: Sieben ihrer vergangenen acht Spiele hat die HSG Albstadt gewonnen und damit ihren Platz an der Sonne zementiert. Die letzten beiden Niederlagen gab es gegen Steißlingen sowie ohne Top-Torjäger Gregor Thomann in Neuenbürg – also ausgerechnet jene Teams, gegen die auch der TSB zuletzt strauchelte. Dafür aber gewann die HSG ihre Verfolgerduelle gegen Baden-Baden (34:25) und Heddesheim (39:34) zuletzt recht souverän. „Genau solche Auftritte brauchst du, um oben mitzuspielen“, resümierte Trainer Wendel mit einer ordentlichen Portion Vorfreude auf das bevorstehende Topspiel in Gmünd: „„Aber wir machen uns keinen Druck, sondern nehmen es, wie es kommt.“
Das große Plus des Primus liegt in der Offensive. Nur einmal blieb die HSG unter 30 Toren, trifft durchschnittlich über 36-mal pro Spiel. Womit der wackligen Gmünder Abwehr nun der ultimative Stresstest bevorsteht. „Albstadt schließt schnell ab und dadurch, dass es viele Angriffe geben wird, gibt es natürlich auch uns viele Möglichkeiten, selbst aufs Tor zu werfen“, prophezeit Aaron Fröhlich den Zuschauern deshalb bereits ein kleines Spektakel. „Es ist nicht unser Ziel, dass ein Spiel mit 40:39 ausgeht, auch wenn viele das vielleicht sehr attraktiv finden. Aber wenn es notwendig ist, dann machen wir das auch.“Hält die Gmünder Serie gegen Albstadt?
Ein Detail, das Hoffnung macht: Dreimal traf der TSB bislang auf Albstadt und ging dreimal als Sieger vom Feld. Stets ging es hitzig und torreich zur Sache. So auch beim Hinspiel im Oktober, das die Gmünder vor fremder Kulisse sogar deutlich mit 38:32 für sich entscheiden konnten. Daran gelte es anzuknüpfen, so Fröhlich: „Albstadt darf mit großem Selbstvertrauen anreisen, bestimmt aber auch mit Respekt, weil sie gegen uns noch nie etwas geholt haben. Doch wir tun gut daran, uns auf uns zu konzentrieren und auf das, was uns in diesem Spiel hilft. Wir greifen das an, was der Gegner uns anbietet und versuchen, ihre Stärken bestmöglich zu verteidigen.“
Die erhoffte Steigerung käme genau richtig, um das Aufstiegsrennen neu anzuheizen und ein klares Zeichen zu setzen. Das eigene Publikum soll dafür die nötigen Prozentpunkte aus Fröhlichs Team herauskitzeln. Schon um 13:15 Uhr steigt in der Großen Sporthalle das Verfolgerduell der A-Jugend in der Bezirksliga gegen die TSF Ditzingen. Ab 15 Uhr kämpft das Perspektivteam des TSB in der Bezirksoberliga gegen den TV Obertürkheim um das erste Erfolgserlebnis im neuen Jahr.
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, J. Leichs, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier
(Text: Nicolas Schoch - Archivbilder: Frank Bieg)







































