Weiter klarer Fokus auf die Defensive: Knackt der TSB Gmünd seinen Angstgegner?

Nur einen Monat nach der hitzigen Hinspielniederlage steht der TSB Gmünd am Samstag (20 Uhr / Sportpark Mindlestal) erneut dem starken Aufsteiger TuS Steißlingen gegenüber. Gerade einmal drei Punkte trennen den Tabellenzweiten vom Neunten der Regionalliga Baden-Württemberg.

Neues Jahr - neues Glück. Zumindest hat der TSB Gmünd direkt geliefert und steht wieder auf dem zweiten Rang, der bekanntlich am Saisonende zum Aufstieg in die 3. Liga berechtigen würde. Viel wichtiger allerdings: Beim 31:23 über die MTG Wangen boten die „Jets“ über 60 Minuten hinweg ihre konstanteste Leistung der bisherigen Saison. Anders als in der Hinrunde war es die Offensivleistung, die sogar noch ausbaufähig und mit 31 erzielten Toren dennoch erfolgsbringend war. Ganz freimütig räumt Trainer Aaron Fröhlich sogar ein, dass weder in der kurzen Wintervorbereitung noch in der Halbzeitpause gegen Wangen das Angriffsspiel im Vordergrund stand: „Nach der kurzen Pause hat uns ein Stück weit die Durchschlagskraft gefehlt. Doch wir haben uns bewusst mehr mit der Abwehr beschäftigt.“
 

Ganz nach dem Geschmack des Trainers

Denn in den vorherigen 15 Saisonspielen klemmte es beim TSB besonders hinten. Dann brach auch noch der schwer am Arm verletzte Christian Waibel heraus. Umso bravouröser war es, wie selbstsicher die umgestellte Abwehrformation ohne ihren erfahrensten Akteur auftrat. „Ich habe das genauso erwartet nachdem wir diese Umstellung drei Wochen lang trainiert haben“, sagt der Trainer total überzeugt: „Umso länger das Spiel ging, desto mehr sind wir ins Laufen gekommen und haben uns in der zweiten Halbzeit viel mehr ganz freie Chancen herausgespielt.“
Gegen Wangen war es ein Spiel, ganz wie es sich Fröhlich wünscht. Sein Team gewann Sicherheit aus der stabilen Abwehr, spielte temporeich nach vorne und zermürbte so die keinesfalls schwachen Gäste aus Wangen. Die starke Leistung von Torhüter Daniel Mühleisen hob der Trainer explizit hervor. Eine Zusammenarbeit, die es in den kommenden Wochen und Monaten zu bestätigen gilt, um tatsächlich den erstmaligen Sprung in die Drittklassigkeit zu realisieren. „Es ist kein Automatismus“, so Fröhlich: „Wir müssen weiterhin viel Mühe investieren, um so eine stabile Abwehr hinzustellen.“
 

Ein schnelles und brisantes Wiedersehen

Auswärts beim TuS Steißlingen wird sich zeigen, wie stabil dieser neue Weg wirklich ist. Eine Partie die am Allerbesten ausdrückt, wie eng es in der Regionalliga zugeht. Der TSB (23:9 Punkte) ist dem Spitzenreiter HSG Albstadt (25:9), der kommende Woche zum absoluten Schlagerspiel in Gmünd antritt, dicht auf den Fersen. Umgekehrt liegt aber auch Neuling Steißlingen als Tabellenneunter (20:14) in unmittelbarer Schlagdistanz zur Spitze.
Was das Verfolgerduell zusätzlich anheizt: Erst vor einem Monat standen sich beide Teams bereits gegenüber, kurz vor dem Weihnachtsfest ging es alles andere als besinnlich zu. In einer hart geführten Partie mit zwei Roten Karten gerieten die Jets nach einer Halbzeitführung durch einen 0:7-Negativlauf auf die Verliererstraße und verloren obendrein Waibel. „Über lange Phasen sind wir da nicht an unser Leistungsvermögen herangekommen“, rekapituliert Fröhlich. „Wir haben auf jeden Fall unsere Comeback-Qualitäten gezeigt, doch wir hätten es cleverer lösen müssen anstatt uns frühzeitig abhängen zu lassen. Die Hypothek war zu groß.“
 

Aaron Fröhlich noch ohne eigenen Sieg gegen Steißlingen

Ebenso kraftvoll startete der TuS gegen zwei Mitaufsteiger ins neue Jahr, gewann beim starken Mitaufsteiger SG Heddesheim mit 28:25 und errang beim TV Neuhausen/Erms ein 35:35-Remis. Seit nunmehr sechs Partien ungeschlagen sind die Steißlinger, die mit Niklas Ruß (60/10 Saisontore) und Samuel Wendel (54/16) zwei international erfahrene Ex-Profis aufbieten können. Im Hinspiel hatte besonders der groß gewachsene Rückraumshooter Florian Riegler mit zehn Toren der Gmünder Abwehr zu schaffen gemacht. Dass das Team aus der Bodenseeregion unter den oberen Rängen mitmischen kann, ist längst mehr als eine Momentaufnahme.
„Wir fahren zu einer großen Aufgabe“, betont Fröhlich deshalb. Für ihn kommt eine persönliche Note hinzu: Schon als Spieler hatte der heutige Trainer alle seine vier Aufeinandertreffen mit dem TuS Steißlingen verloren. Als der TSB in der Saison 2022/23 diesen „Steißlingen-Fluch“ endlich brach, da hatte Fröhlich wenige Monate zuvor seine aktive Laufbahn beendet. „Ein Grund mehr, nun voll anzugreifen“, fügt er hinzu. Als Trainer hat Fröhlich übrigens bislang 19 seiner 23 Auswärtsspiele gewonnen – eine stolze Bilanz.
 

Alle Spieler an Bord

Die Erfahrung aus der laufenden Runde hat dem erfolgsbesessenem Coach vor allem eines gezeigt: „Umso größer die Hürde waren, umso besser konnten wir auch unsere Leistung abrufen. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir im Vergleich zu unserem ersten Spiel in diesem Jahr noch eine Schippe drauflegen können.“ Denn positiv fiel gegen Wangen nicht nur die Abwehr, sondern auch die Breite des Kaders auf: Alle Akteure konnten sich empfehlen, darunter auch die erst kürzlich ins Team zurückgekehrten Rückraumleute Arian Pleißner und Patrick Watzl. Zwei hilfreiche Alternativen, die im ersten Vergleich mit Wundertüte Steißlingen noch gefehlt haben – und die nun zur erhofften Revanche anstacheln sollen.
 
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, J. Leichs, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)