Plötzlich mittendrin: Kai Kiesel schreibt sein persönliches Drittliga-Märchen mit dem TSB

In nur einem Jahr hat Kreisläufer Kai Kiesel fünf Ligen übersprungen. Nach einer langwierigen Knieverletzung und einer Handballpause ist der 24-Jährige plötzlich ein wichtiger Faktor in der Abwehr des TSB Gmünd. Auch am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) im Aufsteigerduell gegen die SG Regensburg.

Kai Kiesel steht das fette Grinsen ins Gesicht geschrieben. Der mit 1,99 Metern größte Handballer des TSB Gmünd wirkt zufrieden, angekommen – und vor allem: voller Freude. „Es fühlt sich gut an, macht einfach Spaß mit dieser Mannschaft und in dieser Liga“, sagt der 24-Jährige. Dabei ist allein die Tatsache, dass er jetzt regelmäßig in der 3. Liga aufläuft, alles andere als selbstverständlich. Denn erst vor einem Jahr hatte das Eigengewächs den Weg zurück in die Sporthalle gefunden, um in der Zweiten Mannschaft zu spielen. Aus dem Nichts ist Kiesel nun um fünf Ligen nach oben geklettert – ein kleines Sportlermärchen.

„Im Kopf denkt man gar nicht so arg viel darüber nach, weil ich ja schon immer beim TSB spiele und den Kontakt zur ersten Mannschaft hatte“, sagt Kiesel. Trotzdem spürt auch er den Unterschied. „Man spürt die Intensität, da wird körperlich mehr zugelangt – da muss man sich schon im Training drauf einstellen.“ Dass er sich darauf einstellen kann, hat viel mit seiner Geschichte zu tun. Kiesel gehört zum Vorzeige-Jahrgang 2002 des TSB, wurde schon in der Jugend von Aaron Fröhlich trainiert und von Spielmacher Tom Abt immer wieder in Szene gesetzt. Schon damals ragte er heraus: körperlich ohnehin, mit 1,99 Metern war seine Position am Kreis praktisch vorgegeben.

„Der Wille, etwas zu machen“

Zur ersten Mannschaft hatte Kiesel schon als Jugendlicher aufgeschaut. „Es war immer mein großes Ziel gewesen und ich bin glücklich, dass es jetzt geklappt hat.“ Allerdings verlief sein Weg dorthin keineswegs geradlinig. Im Frühjahr 2022 debütierte Kiesel bereits in der Regionalliga, als die Personalnot groß war. Gleichzeitig war er mit dem Perspektivteam am Durchmarsch in Richtung Landesliga beteiligt. Dann aber wurde eine komplizierte Knieverletzung zum großen Einschnitt.

Die Verletzung zog sich hin. Kiesel begann etwas zu früh wieder, die Probleme dauerten dadurch länger als nötig. Und auch körperlich war er damals noch ein anderer. Heute ist die Veränderung unübersehbar: Der Kreisläufer hat Gewicht verloren, ist athletischer geworden und hat sich seinen Körper für den Leistungssport zurückerarbeitet. „Es war einfach der Wille, etwas zu machen. Mir wurde es ohne Handball schnell langweilig“, erzählt er. Fitnessstudio, häufig laufen – „als Handballer eigentlich untypisch“ –, dazu Basketball mit Freunden.
Handball blieb dabei immer im Hinterkopf, bis Aaron Wild sich meldete. Der langjährige Teamkollege überredete Kiesel vor einem Jahr, wieder mit ins Training zu kommen. Der Körper machte keine Probleme mehr – und plötzlich war der Weg zurück frei. Schon in der vergangenen Saison wurde Kiesel viermal in der Regionalliga eingesetzt, warf ein Tor und rückte immer fester in den Kader des späteren Aufsteigers. „Es hat sich super entwickelt. Habe ausgeholfen und mich da schon rantasten können. Nach so einer langen Zeit kommt man mit einer anderen Motivation, auch persönlich, denkt sich: Jetzt erst recht. Vielleicht gehe ich auch anders an die Sache heran als noch in der Jugend, immerhin bin ich ja auch ein wenig älter geworden.“

Fröhlichs Vertrauen zahlt sich aus
Dass aus dem vorsichtigen Herantasten nun ein fester Platz im Drittliga-Kader geworden ist, liegt auch an Kiesels Trainingsfleiß. Einen solchen habe Trainer Aaron Fröhlich bei seinem Schützling noch nie gesehen. Und auch sportlich ist der Coach hochzufrieden. „In der Spiellänge und auch der Qualität das zu bringen, ist ein Stück weit eine Überraschung“, sagt Fröhlich. „Weil ich ihm schon viel zutraue, aber auch viel Zeit gebe, weil er einen Riesensprung hatte. Falls es mal nicht so geschmeidig läuft, hat er von mir das größte Vertrauen und darf auch mal Fehler machen. Was er bislang sehr wenig gemacht hat und uns sehr geholfen hat.“

Kiesel hatte bereits vor Saisonbeginn angekündigt bekommen, dass er seine Einsatzzeiten bekommen würde. Dass es gleich zu Beginn so viele sein würden, dürfte aber auch den 24-Jährigen überrascht haben. Vor allem in der Abwehr ist der Kreisläufer gefragt. Der TSB muss derzeit immer wieder Lücken aus den eigenen Reihen schließen. Nach der Roten Karte gegen Andreas Maier in der vorigen Woche wurden Kiesel und der erst 18-jährige Lenny Schwenk ins kalte Wasser geworfen, um den knappen Sieg zu sichern. Kiesel selbst hebt das Kollektiv hervor: „Schon im Training haben wir die Abläufe und den Mann neben sich, wo man weiß, der hat den Zweikampf. Dann geht man beruhigter an die Sache heran und kommt gut in so ein Spiel rein.“ Das Vertrauen untereinander ist für ihn entscheidend. „Ich verstehe mich mit den Jungs gut, hab Vertrauen in den Nebenmann und dann kriegt man Lust auf das Spiel.“

Von Ehrfurcht vor der neuen Liga ist dabei wenig zu spüren. Das gilt für Kiesel ebenso wie für den gesamten TSB. „Wir fokussieren uns nicht gezielt auf Einzelspieler, sondern wie wir gemeinsam arbeiten. Meistens kriegen wir das ausgeglichen, wenn wir in der Abwehr zusammen verteidigen im System.“ Das erste persönliche Drittligator fehlt dem Kreisläufer allerdings noch. Lange soll es nicht mehr dauern. Noch wichtiger ist für Kiesel zunächst ohnehin das, was die Mannschaft bereits geschafft hat: Nach der Lehrstunde beim 25:33 in Pfullingen folgte gegen die Rhein-Neckar Löwen II mit 32:31 der erste Sieg in der neuen Liga. Und der hat ordentlich Selbstvertrauen gegeben.
„Wir müssen nochmal ganz anders an die Spiele herangehen, weil letztes Jahr waren wir in den meisten Spielen der Favorit, jetzt haben wir eine ganz andere Rolle“, sagt Kiesel. „Der Sieg zeigt, was wir erreichen können und dass wir eine geile Saison spielen können. Mit ganz viel Spaß in Gmünd.“ Nun folgen zwei Duelle mit den Mitaufsteigern. Am Samstag kommt die SG Regensburg, eine Woche später geht es gegen die HSG Albstadt. Die Gelegenheit, direkt nachzulegen, scheint günstig. Kiesel will sich darauf aber nicht verlassen. „Es hängt alles an uns, ob es wirklich ein gutes Programm ist. Aber ich denke, dass wir uns da gut in der Liga anmelden können. Unser Ziel ist es, in jedem Spiel zu gewinnen. Wir trainieren immer, um zu gewinnen und gegen die Mitaufsteiger wollen wir beweisen, dass wir besser sind und da hingehören.“

Für Kiesel wäre es die nächste Etappe auf einem Weg, der vor einem Jahr kaum vorhersehbar war. Von der Handballpause über das Fitnessstudio, Laufen und Basketball zurück ins Training, über die Bezirksoberliga und die Regionalliga nun in die 3. Liga. Und wieder vor vollen Rängen in der Großen Sporthalle. Für den gebürtigen Gmünder ist das eine besondere Ehre. „Dieser Rückhalt tut uns gut. Wir werden den Weg zusammen gehen.“ Nachdem er selbst so viele Umwege gehen musste, um sich seinen großen Traum zu erfüllen.
 
In nur einem Jahr hat Kreisläufer Kai Kiesel fünf Ligen übersprungen. Nach einer langwierigen Knieverletzung und einer Handballpause ist der 24-Jährige plötzlich ein wichtiger Faktor in der Abwehr des TSB Gmünd. Auch am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) im Aufsteigerduell gegen die SG Regensburg.

Kai Kiesel steht das fette Grinsen ins Gesicht geschrieben. Der mit 1,99 Metern größte Handballer des TSB Gmünd wirkt zufrieden, angekommen – und vor allem: voller Freude. „Es fühlt sich gut an, macht einfach Spaß mit dieser Mannschaft und in dieser Liga“, sagt der 24-Jährige. Dabei ist allein die Tatsache, dass er jetzt regelmäßig in der 3. Liga aufläuft, alles andere als selbstverständlich. Denn erst vor einem Jahr hatte das Eigengewächs den Weg zurück in die Sporthalle gefunden, um in der Zweiten Mannschaft zu spielen. Aus dem Nichts ist Kiesel nun um fünf Ligen nach oben geklettert – ein kleines Sportlermärchen.

„Im Kopf denkt man gar nicht so arg viel darüber nach, weil ich ja schon immer beim TSB spiele und den Kontakt zur ersten Mannschaft hatte“, sagt Kiesel. Trotzdem spürt auch er den Unterschied. „Man spürt die Intensität, da wird körperlich mehr zugelangt – da muss man sich schon im Training drauf einstellen.“ Dass er sich darauf einstellen kann, hat viel mit seiner Geschichte zu tun. Kiesel gehört zum Vorzeige-Jahrgang 2002 des TSB, wurde schon in der Jugend von Aaron Fröhlich trainiert und von Spielmacher Tom Abt immer wieder in Szene gesetzt. Schon damals ragte er heraus: körperlich ohnehin, mit 1,99 Metern war seine Position am Kreis praktisch vorgegeben.

„Der Wille, etwas zu machen“

Zur ersten Mannschaft hatte Kiesel schon als Jugendlicher aufgeschaut. „Es war immer mein großes Ziel gewesen und ich bin glücklich, dass es jetzt geklappt hat.“ Allerdings verlief sein Weg dorthin keineswegs geradlinig. Im Frühjahr 2022 debütierte Kiesel bereits in der Regionalliga, als die Personalnot groß war. Gleichzeitig war er mit dem Perspektivteam am Durchmarsch in Richtung Landesliga beteiligt. Dann aber wurde eine komplizierte Knieverletzung zum großen Einschnitt.

Die Verletzung zog sich hin. Kiesel begann etwas zu früh wieder, die Probleme dauerten dadurch länger als nötig. Und auch körperlich war er damals noch ein anderer. Heute ist die Veränderung unübersehbar: Der Kreisläufer hat Gewicht verloren, ist athletischer geworden und hat sich seinen Körper für den Leistungssport zurückerarbeitet. „Es war einfach der Wille, etwas zu machen. Mir wurde es ohne Handball schnell langweilig“, erzählt er. Fitnessstudio, häufig laufen – „als Handballer eigentlich untypisch“ –, dazu Basketball mit Freunden.
Handball blieb dabei immer im Hinterkopf, bis Aaron Wild sich meldete. Der langjährige Teamkollege überredete Kiesel vor einem Jahr, wieder mit ins Training zu kommen. Der Körper machte keine Probleme mehr – und plötzlich war der Weg zurück frei. Schon in der vergangenen Saison wurde Kiesel viermal in der Regionalliga eingesetzt, warf ein Tor und rückte immer fester in den Kader des späteren Aufsteigers. „Es hat sich super entwickelt. Habe ausgeholfen und mich da schon rantasten können. Nach so einer langen Zeit kommt man mit einer anderen Motivation, auch persönlich, denkt sich: Jetzt erst recht. Vielleicht gehe ich auch anders an die Sache heran als noch in der Jugend, immerhin bin ich ja auch ein wenig älter geworden.“

Fröhlichs Vertrauen zahlt sich aus
Dass aus dem vorsichtigen Herantasten nun ein fester Platz im Drittliga-Kader geworden ist, liegt auch an Kiesels Trainingsfleiß. Einen solchen habe Trainer Aaron Fröhlich bei seinem Schützling noch nie gesehen. Und auch sportlich ist der Coach hochzufrieden. „In der Spiellänge und auch der Qualität das zu bringen, ist ein Stück weit eine Überraschung“, sagt Fröhlich. „Weil ich ihm schon viel zutraue, aber auch viel Zeit gebe, weil er einen Riesensprung hatte. Falls es mal nicht so geschmeidig läuft, hat er von mir das größte Vertrauen und darf auch mal Fehler machen. Was er bislang sehr wenig gemacht hat und uns sehr geholfen hat.“

Kiesel hatte bereits vor Saisonbeginn angekündigt bekommen, dass er seine Einsatzzeiten bekommen würde. Dass es gleich zu Beginn so viele sein würden, dürfte aber auch den 24-Jährigen überrascht haben. Vor allem in der Abwehr ist der Kreisläufer gefragt. Der TSB muss derzeit immer wieder Lücken aus den eigenen Reihen schließen. Nach der Roten Karte gegen Andreas Maier in der vorigen Woche wurden Kiesel und der erst 18-jährige Lenny Schwenk ins kalte Wasser geworfen, um den knappen Sieg zu sichern. Kiesel selbst hebt das Kollektiv hervor: „Schon im Training haben wir die Abläufe und den Mann neben sich, wo man weiß, der hat den Zweikampf. Dann geht man beruhigter an die Sache heran und kommt gut in so ein Spiel rein.“ Das Vertrauen untereinander ist für ihn entscheidend. „Ich verstehe mich mit den Jungs gut, hab Vertrauen in den Nebenmann und dann kriegt man Lust auf das Spiel.“

Von Ehrfurcht vor der neuen Liga ist dabei wenig zu spüren. Das gilt für Kiesel ebenso wie für den gesamten TSB. „Wir fokussieren uns nicht gezielt auf Einzelspieler, sondern wie wir gemeinsam arbeiten. Meistens kriegen wir das ausgeglichen, wenn wir in der Abwehr zusammen verteidigen im System.“ Das erste persönliche Drittligator fehlt dem Kreisläufer allerdings noch. Lange soll es nicht mehr dauern. Noch wichtiger ist für Kiesel zunächst ohnehin das, was die Mannschaft bereits geschafft hat: Nach der Lehrstunde beim 25:33 in Pfullingen folgte gegen die Rhein-Neckar Löwen II mit 32:31 der erste Sieg in der neuen Liga. Und der hat ordentlich Selbstvertrauen gegeben.
„Wir müssen nochmal ganz anders an die Spiele herangehen, weil letztes Jahr waren wir in den meisten Spielen der Favorit, jetzt haben wir eine ganz andere Rolle“, sagt Kiesel. „Der Sieg zeigt, was wir erreichen können und dass wir eine geile Saison spielen können. Mit ganz viel Spaß in Gmünd.“ Nun folgen zwei Duelle mit den Mitaufsteigern. Am Samstag kommt die SG Regensburg, eine Woche später geht es gegen die HSG Albstadt. Die Gelegenheit, direkt nachzulegen, scheint günstig. Kiesel will sich darauf aber nicht verlassen. „Es hängt alles an uns, ob es wirklich ein gutes Programm ist. Aber ich denke, dass wir uns da gut in der Liga anmelden können. Unser Ziel ist es, in jedem Spiel zu gewinnen. Wir trainieren immer, um zu gewinnen und gegen die Mitaufsteiger wollen wir beweisen, dass wir besser sind und da hingehören.“

Für Kiesel wäre es die nächste Etappe auf einem Weg, der vor einem Jahr kaum vorhersehbar war. Von der Handballpause über das Fitnessstudio, Laufen und Basketball zurück ins Training, über die Bezirksoberliga und die Regionalliga nun in die 3. Liga. Und wieder vor vollen Rängen in der Großen Sporthalle. Für den gebürtigen Gmünder ist das eine besondere Ehre. „Dieser Rückhalt tut uns gut. Wir werden den Weg zusammen gehen.“ Nachdem er selbst so viele Umwege gehen musste, um sich seinen großen Traum zu erfüllen.
 

Rund ums TSB-Heimspiel

Kader: Kreisläufer Jonas Waldenmaier ist aus den Flitterwochen zurück, Christian Waibel ist nach einer Zerrung wieder einsatzfähig. Einzig Yannik Leichs (Syndesmosebandriss) fällt weiterhin aus.
 
Gegner: Die SG Regensburg, entstanden 1999 aus dem SV und dem DJK Sportverband, spielte vor einem Jahrzehnt noch in der Landesliga. Trainiert von Ex-Bundesligaprofi Benjamin Herth (früher HBW Balingen-Weilstetten) verloren die Domstädter in der vergangenen Regionalliga-Saison nur einmal und stiegen erstmals in die 3.Liga auf. Gleich zum Start schnupperte man beim Meister SV Kornwestheim (36:40) lange an einer Überraschung, verlor dann aber auch das zweite Spiel beim HC Erlangen II mit 31:37. Angeführt wird das Team von den Brüdern Johannes (25 Jahre) und Sebastian Simbeck (23), die aus dem Rückraum bereits 26 Saisontore erzielt haben.
 
Zuschauer: Der Einlass beginnt um 18 Uhr, es sind erneut Dauerkarten für die gesamte Saison zum Preis von 140 Euro (ermäßigt 100 Euro) erhältlich. Für das leibliche Wohl sorgt das TSB-Perspektivteam, welches vor der Halle am Grill steht.