Abruptes Ende mit 23: Warum Patrick Watzl seine Handballkarriere aufgeben muss

Ein schwerer Schlag für den TSB Gmünd – und vor allem für Patrick Watzl selbst. Der 23-jährige Linkshänder, der seit der C-Jugend für die „Jets“ auflief, musste sich nach einem Knorpelschaden im linken Knie einer erneuten Operation unterziehen. Eine rasante Handballkarriere endet auf dem Höhepunkt und viel zu früh.

Wenn der TSB Gmünd am Samstagabend zum Heimspiel in der 3.Liga aufläuft, wird ein Aufstiegsheld nur noch als Zuschauer mitfiebern können. Ganz und gar nicht freiwillig, weil er mit 23 Jahren ein eigentlich unverzichtbares Mitglied der erfolgreichen Mannschaft sein sollte und sich den größten sportlichen Traum erfüllen wollte. „Extrem bitter“, mehr braucht Patrick Watzl gar nicht zu sagen. Und meint damit nicht nur die körperlichen Beschwerden. Sondern vor allem den Moment, in dem er akzeptieren musste, dass sein geliebter Sport nicht mehr zu seinem Leben gehören darf. In jedem Wort ist ihm anzuhören, wie schwer ihm diese Entscheidung fällt. Die Bitterkeit, die Enttäuschung, der Schmerz.
 
Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison hatte der Linkshänder gespürt, dass etwas nicht stimmte. „Ich habe gemerkt, dass die Beschwerden immer wieder auftreten und es so nicht weitergeht. Das war schon sehr heftig.“ Er versuchte trotzdem weiterzumachen, spielte mit Tapes und Knieschonern. „Aber es war nicht mehr wie vorher.“ Nach Saisonende folgten Untersuchungen bei mehreren Ärzten. Die Diagnose war niederschmetternd: Kreuzbandriss im linken Knie, ausgerechnet jenem Knie, in dem es bereits 2022 geschehen war. Mehrere Ärzte bestätigten, dass eine Operation unumgänglich sei. Zweimal musste er sich im Sommer unters Messer legen. Ein neuer Knorpel wurde angezüchtet und anschließend an den beschädigten Stellen wieder eingesetzt.

Der lange Weg zurück hat für Watzl gerade erst begonnen. Eine mehrmonatige Reha steht bevor, die ersten zwei bis drei Monate dürften besonders hart werden. Noch schwerer wiegt für ihn allerdings, dass es danach keine Rückkehr auf die Handballplatte geben soll. Radfahren und Schwimmen seien möglich, dynamische Vollkontaktsportarten mit hoher Belastung dagegen nicht. „Mach lieber langsam, schau nach deiner Gesundheit“, hatten ihm die Ärzte geraten. Damit das Knie auch in Zukunft hält. Extrem schwer sei es gewesen, das so hinzunehmen. Und dann denkt er bereits wieder an seine Mannschaft: „Mir tut es auch für die Jungs extremst leid und ich hoffe, dass es alle verstehen.“

Für den TSB ist sein Aus sportlich eine empfindliche Lücke – und menschlich ohnehin ein schwerer Verlust. Trainer Aaron Fröhlich hatte mit dieser Nachricht nicht gerechnet und spricht von „einer schwierigen Situation, die wir als Mannschaft auffangen müssen.“ Mit Stefan Scholz hat der TSB Gmünd nur noch einen Rückraum-Linkshänder im Aufgebot. Der Sportliche Leiter Jürgen Rilli war ebenso überrascht und sagt offen, wie schwer Watzls Abgang wiegt: „Er war mit der stärkste Abwehrspieler, den wir hatten. Das können wir nicht mehr extern kompensieren, das müssen wir intern auffangen.“

Denn Watzl und der TSB – das ist eine Verbindung, die weit über 112 Viertliga-Spiele und 217 Tore hinausgeht. Seit der C-Jugend trug er das Trikot mit dem Jet auf der Brust. Im Frühjahr 2020 gab er noch als A-Jugendlicher sein Debüt in der ersten Mannschaft, damals unter Dragos Oprea. In der Rückrunde 2022 folgte der Kreuzbandriss. Watzl kämpfte sich zurück, wurde unter Michael Stettner und später unter seinem langjährigen Förderer Fröhlich immer wichtiger und schaffte schließlich den Durchbruch. Sein letzter Auftritt im TSB-Dress bekommt nun eine ganz besondere Bedeutung. Es war der 18. April 2026, jener Tag, an dem die Gmünder beim 31:29-Sieg beim TV Neuhausen/Erms vorzeitig die Meisterschaft in der Regionalliga Baden-Württemberg perfekt machten. Watzl erzielte kurz vor der Pause im Gegenstoß sogar noch einen umjubelten Treffer. Die beiden verbleibenden Saisonspiele, in denen es sportlich um nichts mehr ging, wurde er geschont.
Die vergangenen beiden Jahre waren ein einziger Rausch – und Watzl war mittendrin nach seiner bemerkenswerten Entwicklung. Aus dem schmächtigen Talent war ein hervorragender Abwehrspieler geworden, dessen Einsatz und Einstellung selbst seine Mitspieler immer wieder beeindruckten. „Wir hatten harte Einheiten und wie es sich positiv nach oben gesteigert hat, war einfach geil“, sagt er. „Dann wollten wir automatisch immer weiterarbeiten, immer weitermachen. Und dann haben wir auch die Resultate gesehen für diese harte Arbeit.“ Die 3. Liga, sein lang gehegter Traum, findet nun ohne ihn statt.

Dabei war Handball für ihn ohnehin ein später entdecktes Glück. Erst in der D-Jugend begann er bei der HG Aalen/Wasseralfingen, über die SG Hofen/Hüttlingen empfahl er sich für einen Platz im Vorzeigejahrgang 2002 des TSB. Schnell entwickelte sich daraus ein großer Ehrgeiz. Ein erstes Highlight war die Landesliga-Meisterschaft mit der C-Jugend unter Trainer Fröhlich. Über starke Auftritte in der Württemberg- und Oberliga rückte das große Ziel in den folgenden Jahren immer näher: „Ich wollte bei der Ersten Mannschaft mitspielen und habe dafür alles gegeben. Es hat mich gefreut, den Durchbruch zu schaffen und fester Teil der Mannschaft zu sein.“

Jetzt muss er sich neue Ziele setzen. Und das Wichtigste ist diesmal nicht der nächste Sieg, sondern dass der Körper irgendwann wieder mitspielt. Watzl studiert BWL an der Hochschule Aalen, befindet sich im vierten Semester und möchte in zwei Jahren seinen Bachelor abschließen. Im kommenden März steht ein Auslandssemester in Zagreb an, danach folgen Praxissemester und die Abschlussarbeit. Ganz verschwinden wird er aber nicht. Das könnte bei einem solchen TSB-Eigengewächs ohnehin niemand glauben. „Ich bin ja nicht aus der Welt, will so oft wie möglich in der Halle vorbeischauen und mitfiebern.“ An diesem Samstagabend wird er fest die Daumen drücken, dass die langjährigen Teamkollegen ihre ersten Punkte in der neuen Spielklasse einfahren werden – wenn auch mit einem großen weinenden Auge.