Ein Aufstieg als perfekter Abschied? Stephan Mühleisen im Interview

Nach sieben turbulenten Jahren beim TSB Gmünd wird Stephan Mühleisen zum Saisonende seine Handballschuhe an den Nagel hängen. Unter fünf verschiedenen Trainern hat der Kreisläufer bislang 130 Spiele für die „Jets“ absolviert, nur noch sieben weitere werden hinzukommen. Vor dem Topspiel gegen den TVS Baden-Baden am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) spricht der 29-Jährige über seine schwere Entscheidung, den Traum von der 3. Liga – und warum ein Comeback nicht völlig ausgeschlossen ist.

Steph, ist es sicher, dass du zum Saisonende aufhörst und warum?
„Der Plan steht. Hintergrund ist, dass ich mit meiner Freundin im Laufe diesen Jahres in der Nähe von Hannover zusammenziehen werde. Aktuell fährt Laura alle zwei Wochen hier, hat selbst vor einem Jahr mit dem Handball aufgehört – auch für mich. Deshalb möchte ich das jetzt gerechter aufteilen und meine Beziehung in den Vordergrund stellen.“
 
Dir ist anzuhören, wie schwer dieser Entschluss gefallen ist.
„Ich habe lange hin und her überlegt und es dem Verein auch früh angedeutet. Aktuell ist das noch nicht so ganz realisierbar. Ich denke, das kommt erst Richtung Saisonende, wenn es wirklich vorbei ist.“
 
Hat es für dich auch eine Rolle gespielt, dass du unter Trainer Aaron Fröhlich nur noch wenig zum Einsatz kommst?
„Natürlich, aber nicht ausschließlich. Ich habe Aaron offen gesagt, dass das Verhältnis zwischen meinem Aufwand und dem, was ich in meiner Beziehung zurückstecken muss, nicht mehr ganz passt. Tatsächlich spüre ich nach manchen Trainingseinheiten auch, dass ich nicht mehr der Jüngste bin.“
 
Im Sommer 2019 bist du gemeinsam mit deinem Zwillingsbruder und Torwart Daniel nach Gmünd gewechselt. Könnt ihr euch überhaupt trennen?
(schmunzelt) „Er wird auch ohne mich genügend Bälle halten und wir sehen uns ja trotzdem regelmäßig. Meine Entscheidung habe ich von ihm unabhängig gemacht.“
Sieben Jahre beim TSB – was bleibt?
„Es war eine verrückte, wilde Reise. Wir haben viel gegen den Abstieg gespielt. Mein persönliches Hoch war das Jahr 2022, als wir vorne dabei waren und ich mit den Otternasen Deutscher Beachhandball-Meister geworden bin. Da ist alles zusammengelaufen, dann kam leider die schwere Verletzung kurz vor Weihnachten. Wenn wir die aktuelle Saison so erfolgreich zu Ende spielen, wie sie aktuell läuft, dann wäre es ein perfekter Abschluss. Auch wenn es mir schwer fallen würde, selbst nicht mehr in der 3. Liga spielen zu können.“
 
„Diese 60 Minuten werden die Richtung für die restliche Saison vorgeben. Gegen Mannschaften aus dem Mittelfeld haben wir uns oft schwer getan oder sogar verloren. Gegen die Topteams war das bisher nie der Fall. Das ist eine Frage des Mindsets. Und ich bin mir sicher, dass es daran nicht scheitern wird. Wir sind mental, spielerisch und taktisch sehr gut vorbereitet. Den Schwung und die Euphorie der letzten beiden Spiele müssen wir mitnehmen.“
 
Ist der Aufstieg das klare Ziel? Auch, um deine persönliche Laufbahn zu krönen?
„Egal, wie es läuft – einen schöneren Abschluss als mit dieser Mannschaft kann ich mir nicht vorstellen. Wenn es reicht, wäre es traumhaft für diese prägende Zeit beim TSB. Ich habe dem Verein unglaublich viel zu verdanken.“
 
Sören Winger vom TV Bittenfeld II wird künftig deinen Platz am Kreis einnehmen. Wie siehst du die Zukunft des Teams – und deine eigene Rolle dabei?
„In der Mannschaft steckt unfassbar viel Potenzial. Wie ein Kai Schäffner ausgeblüht ist, was Andreas Maier für einen Riesenschritt gemacht hat, dazu noch ein ganz junger Spieler wie Lenny Schwenk. Da ist noch so viel möglich. Ich werde auf jeden Fall regelmäßig in die Halle kommen, schauen wie sich alles entwickelt und ob ich noch einmal Lust bekomme. Wir haben vereinbart, dass mein Pass beim TSB bleibt. Wenn Not am Mann ist, kann man sich jederzeit bei mir melden.“

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)