„Wadenbeißer“ Ivo Dragicevic schließt die Linksaußen-Lücke beim TSB Gmünd

Für die zweite Saisonhälfte holt der TSB Gmünd mit Ivo Dragicevic einen neuen Flügelflitzer an Bord, der mit seiner Emotionalität gleichzeitig die Defensive stärken soll. Der frühere Frisch Auf – Jugendspieler tritt dabei in die großen Fußstapfen eines einstigen Weggefährten.
 
Es ist quasi Liebe auf den zweiten Blick. Schon in den vergangenen anderthalb Jahren fahndete der TSB Gmünd nach einem weiteren Linksaußen. Der Sportliche Leiter Jürgen Rilli hatte den Werdegang von Ivo Dragicevic bereits aufmerksam verfolgt, als der talentierte Deutsch-Kroate noch das Dress von Frisch Auf Göppingen in der Jugend-Bundesliga trug. Danach allerdings entschied sich Dragicevic zunächst für den gerade aus der 3.Liga abgestiegenen VfL Günzburg.
Am vergangenen Donnerstag war es endlich soweit. Der 20-Jährige absolvierte sein erstes Training in Gmünd und der erste Eindruck war mehr als positiv: „Wir haben hier eine starke und auch ziemlich lustige Truppe, die mich sofort mit offenen Armen aufgenommen hat.“ Zumal er mit Positionskollege Eric Zimmermann und dem inzwischen aus seinem Auslandssemester heimgekehrten Rückraumspieler Kai Schäffner bereits aus der gemeinsamen Frisch Auf-Zeit bestens vertraut ist.
Beim TSB schließt Dragicevic nun jene schmerzhafte Lücke, die Zimmermann in wenigen Wochen hinterlassen wird. Der treffsichere Linksaußen verlässt die „Jets“ ausgerechnet zur bevorstehenden Abstiegsrunde – und zwar schweren Herzens. Anfang Februar zieht es ihn für eine zweijährige Pilotenausbildung nach Frankfurt am Main. Seit 2021 hatte sich Zimmermann auf Anhieb zum unverzichtbaren Stammspieler aufgeschwungen. In bislang 77 Oberliga-Partien erzielte er stolze 326 Tore und war aus Sicht seines Trainers Michael Stettner der „konstanteste Spieler“ während der sportlich durchwachsenen Hinrunde. Nun aber lässt der große Berufstraum das Hobby Handball in den Hintergrund rücken.
Ebenso wie der ein Jahr ältere Zimmermann bezeichnet sich auch Dragicevic selbst als „Gegenstoßtyp“ und passt damit wie maßgeschneidert in den temporeichen TSB-Spielstil. Wie sein Vorgänger kann der aus Oberkochen stammende Neuzugang zudem die defensive Halbposition abdecken. „Wir können nicht erwarten, dass er Eric sofort eins zu eins ersetzen kann“, betont Jürgen Rilli zwar. Doch besonders Dragicevics Ausstrahlung auf dem Feld imponiert dem Sportlichen Leiter: „Ivo ist ein echter Wadenbeißer, der seine Mitspieler pushen und begeistern kann. Daher bin ich extrem froh, dass er sich nun beim zweiten Kontakt für uns entschieden hat.“
Die vergleichsweise kurze Fahrt nach Gmünd, die er sich mit seinen neuen Teamkollegen Patrick Watzl (Wasseralfingen) und Stefan Scholz (Hüttlingen) teilt, beschert dem gelernten Heizungsbau- und Wasserinstallateur auch eine zeitliche Entlastung. Zumal die Zeit in Günzburg für Dragicevic eher suboptimal verlaufen ist. 27-mal lief er für den aktuellen Tabellensiebten der Bayernliga auf und erzielte dabei 42 Tore, wurde aber immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. „Für die Zeit nach der Jugend war es dennoch eine gute Erfahrung, auch mit Rückschlägen umgehen zu müssen“, blickt Dragicevic zurück. „Wenn du als junger Spieler in eine neue Mannschaft kommst und gestandene Spieler vor dir hast, ist es schwierig Fuß zu fassen“, bemerkt Rilli: „Doch aus seiner Göppinger Jugendzeit weiß ich, was er kann. Ich bin absolut überzeugt, dass er uns in dieser Situation helfen wird.“
Sehr wohl sieht Dragicevic die großen Fußstapfen, die er bei den Jets ausfüllen soll. Damit verbunden ist aber auch die Chance, einen ähnlich erfolgreichen Weg einzuschlagen wie der frühere Weggefährte Eric Zimmermann: „Genau das ist mein Plan, mich genauso einzuarbeiten wie er es gemacht hat – und es vielleicht sogar noch besser zu machen, um dem Team zu helfen.“ In den ersten beiden Spielen des neuen Jahres beim TV Bittenfeld II (19.Januar) und gegen den TuS Schutterwald (28.Januar) werden die beiden Linksaußen noch gemeinsam für den TSB antreten. In der entscheidenden Phase liegt es dann an Dragicevic, mit seinem Tempo und seiner Emotionalität auf dem linken Flügel zum Klassenerhalt beizutragen.
 
(Text und Bilder: Nico Schoch)