Ein befreiender Start-Ziel-Sieg, der aber keinesfalls ungefährdet war. Der TSB Gmünd legt ein Sechs Tore-Polster vor, kann den Mitaufsteiger HSG Albstadt aber nie so richtig abschütteln. Mit 35:31 (19:15) machen die Jets ihren zweiten Sieg im vierten Spiel perfekt.

Am Ende war alles beim Alten, wie auch die Gäste gestehen mussten. Zum fünften Mal standen sich der TSB Gmünd und die HSG Albstadt gegenüber. Zum fünften Mal war es ein rasanter und torreicher Schlagabtausch. Zum fünften Mal waren die Jets obenauf – weil sie in den hitzigen Phasen cool blieben, sich dabei nicht nur auf ihren starken Rückraum, sondern vor allem auf einen herausragenden Rückhalt verlassen konnten. Mit 18 Paraden hielt Daniel Mühleisen den zweiten Gmünder Drittliga-Erfolg fest. Wenngleich der Matchwinner hinterher gewohnt bescheiden blieb, als er die euphorischen Glückwünsche seiner Mitspieler und seines langjährigen Torhüterkollegen Tobias Klemm entgegen nehmen durfte. Von Mühleisen selbst wird nie zu hören sein, dass er zufrieden sei mit seiner Leistung. „Mir ist es lieber zu gewinnen als gut zu spielen“, so lautet das Credo des 29-Jährigen. Der aber vielsagend hinterher schob: „Es war mal wieder ein Spiel von mir, das in Ordnung war.“
Umstrittene Zeitstrafe beendet den Gmünder Traumstart
Der TSB-Tormann jedenfalls ist mit diesem Sahnetag endgültig angekommen in der höheren Spielklasse. Wobei ihn eine diskussionswürdige Szene aus der 9. Minute extrem beschäftigte. Dem Albstädter Linksaußen Elias Flügel hatte er bereits zwei Würfe abgenommen, selbst schon ein Tor erzielt und damit den 7:2-Traumstart seines Teams eingeleitet. Als dann aber Gegenüber Julian Mayer erstmals einen Ball zu fassen bekam und umgehend auf das leerstehende Gmünder Gehäuse zielte, da eilte Mühleisen blitzartig von der Bank zurück und wehrte ab. Nur stand er dabei noch mit einem Fuß vor dem Torkreis. Zum Unverständnis aller Gmünder, aber regelkonform entschieden die Unparteiischen auf Strafwurf für Albstadt und schickten den Keeper für zwei Minuten auf die Strafbank.
Doch der TSB zeigte die erhoffte Weiterentwicklung im Vergleich zu den vorherigen Partien und ließ sich von zwei Unterzahlsituationen nicht aus der Bahn werfen, auch wenn die Gäste relativ rasch auf 9:8 (15.) herankamen. Doch die Gmünder Rückraumachse entfaltete wieder ihre gewohnte Durchschlagskraft, nachdem sie sich eine Woche zuvor im ersten Aufsteigerduell mit der SG Regensburg (27:31) extrem schwer getan hatte. Arian Pleißner durfte beginnen und zahlte das Vertrauen mit drei frühen Toren zurück. Als Kai Schäffner frisch von der Bank kam, versenkte dieser prompt seine ersten drei Versuche. Beim 12:8 (17.) hatte der TSB die Kontrolle zurückgewonnen. In der Abwehr ließen Andreas Maier und Sören Winger dem HSG-Spielgestalter Julian Thomann keinen Freiraum, auch dessen Zwillingsbruder Gregor auf dem rechten Flügel kam kaum zu freien Chancen.
TSB-Kreisläufer Winger hatte zwar etwa bei einem Lattentreffer etwas Pech, dennoch führten die Hausherren zur Pause verdient mit 19:15. Auch weil Mühleisen bis dahin schon zehnmal pariert hatte, darunter einen Strafwurf des bis dahin fehlerfreien Lasse Fuchs. Auch nach Wiederanpfiff waren die Jets hellwach. Angeführt von Spielmacher Tom Abt zogen sie rasch wieder auf 23:17 (35.) davon, so dass Gästetrainer Andreas Wendel abermals eine frühe Auszeit einberufen musste. Beruhigend war das Sechs Tore-Polster aber keinesfalls, weil aus Regionalliga-Zeiten bekannte Rivale weiterhin aufs Gaspedal drückte und schnelle Abschlüsse suchte.Zwei Rote Karten in nur 30 Sekunden
Im typischen Rhythmus wogte der Schlagabtausch der beiden Drittliga-Neulinge hin und her: Der TSB legte vor, ließ aber auch einige Chancen ungenutzt und konnte sich so nicht vorentscheidend absetzen. Weil auch der eingewechselte HSG-Tormann Julian Malek nun vollständig in der Partie angekommen war, witterte das Team von Zollernalb seine Chance. Doch auch eine weitere „Tradition“ in diesem heißen Duell blieb: Für zwei Akteure war vorzeitig Feierabend. Erst traf Fuchs, der mit neun Toren auffälligste Gästeakteur, seinen Gegenspieler Schäffner mit der Hand im Gesicht (46.). Nur 30 Sekunden später folgte die nächste Rote Karte für TSB-Youngster Lenny Schwenk, der Albstadts Kreisläufer mit einem ungestümen Foul am Torerfolg gehindert hatte.
In der Schlussphase drohte das Spiel zu kippen. Die Gmünder blieben zunächst obenauf, weil sich Schäffner und Abt immer wieder geschickt durchsetzten. Doch mit drei Toren in Folge zum 30:29 (54.) stellte Albstadt den Anschluss her. Es drohte der Krimi, den die Hausherren unbedingt verhindern wollten und auch längst hätten tun können. Doch gerade rechtzeitig war es wieder Daniel Mühleisen, der mit seinen Glanztaten den Weg ebnete. Mit einem Zehn Meter-Strahl zum 32:30 (56.) brachte Linkshänder Stefan Scholz wieder Sicherheit ins Gmünder Spiel. Erst als Abt zum 34:31 (59.) einnetzte und im Zurücklaufen einen Pass abfing, war alles entschieden. Die letzte Szene gehörte dem argentinischen Neuzugang Agustin Ortlieb Basualdo, der auf Rechtsaußen freigespielt wurde und unter dem Jubel der 800 Zuschauer sein erstes Tor zum 35:31-Endstand erzielte.
Der TSB ist noch längst nicht am Optimum angelangt. Doch während Mitaufsteiger Albstadt weiter auf den ersten Punktgewinn warten muss, stimmt die Gmünder Ausbeute mit zwei Siegen aus den ersten vier Saisonspielen. Kommenden Samstag (20 Uhr) geht es zum langjährigen Zweitligisten HSG Konstanz, welcher überraschend mit 29:30 in Regensburg stolperte – was nur wieder zeigt, dass in dieser Liga alles möglich ist. Auch für die Jets, wenn sie dieses zurückgewonnene Selbstvertrauen weitertragen können.



Aaron Fröhlich, TSB-Trainer: „Wenn wir wie vorige Woche einige Prozente vermissen lassen, dann hätte uns Albstadt mit seiner hohen Qualität geschlagen. Das haben sie in den Phasen gezeigt, in denen wir nicht effizient waren und zum Anschluss herangekommen sind. Die Verstärkung von den Zuschauerrängen hilft uns dann natürlich enorm. Am Ende haben wir einen kühlen Kopf bewahrt und die entscheidenden Tore geworfen zu einem verdienten Sieg. Meine Mannschaft hat es gut, wenn auch nicht fehlerfrei gemacht – aber die Fehler dorthin gesteuert, wo sie uns am wenigsten weh tut.“




































