Ein echter Härtetest gleich zu Beginn. Vom Vorjahresvierten VfL Pfullingen und dem Wißgoldinger Nachwuchstalent Fynn Hofele wird der TSB Gmünd in der 3. Liga Süd empfangen. Doch die Jets fahren am Samstag (20 Uhr) nicht zum Staunen in die Kurt-App-Halle, sondern wollen zeigen, wie nah sie dem Niveau sind.


Schon auf der Anreise könnten die Emotionen der zurückliegenden Saison wieder geweckt werden. Direkt an der Strecke liegt Neuhausen/Erms, wo sich der TSB Gmünd vor genau vier Monaten zum Regionalliga-Meister gekrönt hatte. Eine Ausfahrt, die man nun hinter sich lässt und knapp 15 Kilometer weiter fährt. „Ich sehe das als Auszeichnung, dass wir nach langer Zeit wieder ein Pflichtspiel beim VfL Pfullingen bestreiten dürfen“, freut sich Trainer Aaron Fröhlich und fügt mit Blick auf die rasante Entwicklung seines Teams hinzu: „Ich glaube, vor zwei Jahren hätten solche Mannschaften nicht einmal in einem Testspiel gegen uns antreten wollen.“
„Wir fahren nicht dorthin, um nur zu gucken“
Es ist durchaus ein Duell mit interessanter Vergangenheit. Im Jahr 1984 hatte sich der TSB Gmünd durch einen 25:15-Finalsieg über den VfL Pfullingen den Württembergischen Pokal gesichert, letztmals standen sich beide Vereine in der Oberliga-Saison 2014/15 gegenüber. Zweimal machte der Underdog aus der Stauferstadt dem späteren Meister das Leben schwer, unterlag nur knapp mit 24:29 und 25:26. Fröhlich, der damals selbst auf dem Feld stand, erinnert sich gerne daran zurück. Auch wenn die Rollen abermals klar verteilt zu sein scheinen – hier der Neuling, dort ein etabliertes Spitzenteam – ist keinerlei Furcht zu verspüren. „Wir fahren nicht dorthin, um nur zu gucken“, bleibt der Trainer seiner Linie treu. „Es soll ein ganz normales Spiel werden, das wir dem Gegner schwer machen und für uns eine Bahn lenken, um es für uns zu entscheiden.“
Überhaupt hat der TSB unter Fröhlichs Regie echte Frühstarter-Qualitäten entwickelt. Sein Debüt vor zwei Jahren wurde völlig überraschend mit 33:27 beim damaligen Drittliga-Absteiger VfL Waiblingen gewonnen, im vergangenen September eröffnete ein 37:24-Derbytriumph über den TSV Heiningen die furiose Meistersaison. Nach Fröhlichs erstem Aufstieg als TSB-Spielmacher 2014 gewannen die Gmünder gleich einmal ihre ersten vier Spiele in der Oberliga Baden-Württemberg. Ein Wunschgedanke für den Start in die 3. Liga – oder tatsächlich ein realistisches Ziel? Ein solches Kaliber wie Pfullingen kann ein Hammerlos sein – oder eine Chance. Der TSB wird gleich einmal erfahren, wie nahe er dem höheren Niveau tatsächlich schon ist.
Syndesmosebandriss: Yannik Leichs fällt für die ersten Wochen aus
In dieser Hinsicht stellt die Saisonvorbereitung nur eine unbedeutende Momentaufnahme dar. Zumindest personell verlief es eher holprig. Im ersten Testspiel gegen die TSG Söflingen gewann der TSB standesgemäß mit 36:24, gegen den SKV Unterensingen gab es ein 28:28-Remis, gegen den VfL Günzburg eine knappe 28:29-Niederlage und in der Generalprobe gegen den TSV Schmiden einen 33:26-Erfolg. Zwischenzeitlich mussten die Gmünder dabei ohne ihre gewohnte Rückraumachse auskommen. Kaum waren einige Urlauber und Tom Abt nach seiner notwendigen Operation am Sprunggelenk zurückgekehrt, erwischte es Yannik Leichs. Der 26-Jährige riss sich gegen Unterensingen das Syndesmoseband und fällt wohl bis Oktober aus.
Fröhlich nimmt auch das sportlich: „Wer hat schon eine perfekte Vorbereitung? Wir machen das Beste daraus und das ist grundsätzlich auch gut genug, dass wir bestehen können.“ Es gehe nur darum, den eingeschlagenen Entwicklungsprozess fortzusetzen. Bestes Beispiel: In der vergangenen Saison schafften es die Jets, den Drucksituationen standzuhalten und die engen Spitzenspiele für sich zu entscheiden. Viel Zeit, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten, gab es ohnehin nie. „Als Trainer denkt man sich, man könnte auch nochmal vier, fünf Wochen trainieren. Ganz zufrieden wäre man wohl nie“, sagt Fröhlich. Umso klarer fällt sein Urteil aus: „Wir sind natürlich ein unbeschriebenes Blatt in der Liga und müssen uns da erstmal selber beweisen. Doch das ist jetzt der bestmögliche Zeitpunkt, wo es losgehen kann und ich bin guter Dinge, dass wir sehr unbequem sein werden.“
VfL Pfullingen: Traditionsverein mit zwei Bundesligatalenten
Riesige Vorfreude verspüren die Gmünder darauf, gleich einmal von der gewohnt stimmungsvollen Kulisse in der Pfullinger Kurt-App-Halle empfangen zu werden. Von einem Gegner, der einst 17 Jahre ununterbrochen der 2. Bundesliga angehörte und von 2002 bis 2006 sogar erstklassig war. Nach einer Insolvenz startete der VfL auf Verbandsebene neu, zählt seit 2015 zum festen Inventar der 3. Liga Süd und qualifizierte sich zweimal sogar für die Aufstiegsrunde. Zuletzt zeigten die Pfullinger zwei völlig unterschiedliche Gesichter, nach einer durchwachsenen Hinserie verloren sie nur noch zwei Partien arbeiteten sich bis auf den vierten Tabellenplatz vor. Entsprechend offensiv ist die Zielsetzung von Trainer Fabian Gerstlauer, der den Gmündern bereits zu Oberliga-Zeiten mit der SG H2Ku Herrenberg gegenüberstand: Wir wollen an unsere herausragende Rückrunde anknüpfen, oben angreifen und im oberen Tabellendrittel mitspielen.“
Auch in der Vorbereitung überzeugte Pfullingen mit zumeist deutlichen Siegen. Erst im letzten Test gegen den Ligarivalen HBW Balingen-Weilstetten II gab es beim 29:29 einen kleinen Dämpfer. Gerstlauer konnte dem allerdings etwas Positives abgewinnen: „Das tut uns gut, wenn es mal nicht so rund läuft.“ Der TSB trifft dabei auf eine variable Defensive, die sich zuletzt als wichtiger Erfolgsfaktor des VfL erwiesen hat. Personell hat sich Pfullingen gezielt verstärkt: Torhüter Sören Hamann kam vom Ligakonkurrenten TSV Neuhausen/Filder, Rückraumspieler Janne Böhm von der HSG Ostfildern.
Und zwei weitere Trümpfe hat der Gastgeber in der Hinterhand: Die Youngster Sascha Brodbeck (21) und Fynn Hofele (20) sind von Frisch Auf Göppingen mit einem Zweitspielrecht ausgestattet worden. Der Rückraumrechte Hofele stammt aus Wißgoldingen und machte voriges Jahr sein Abitur am Gmünder Parler-Gymnasium, bevor er ein Medizinstudium in Tübingen aufnahm. Parallel dazu gab er vergangenen Herbst sein Bundesliga-Debüt und rettete Frisch Auf mit einem Tor in letzter Minute das 24:24-Remis gegen Leipzig. „Hochachtung vor seinem Doppelleben und wie er das schafft“, sagt Fröhlich, der den talentierten Linkshänder einst im Gmünder Handballcamp während der Sommerferien unter seine Fittiche genommen hatte.
Ebenso groß ist die Wertschätzung für den Auftaktgegner insgesamt – ohne allerdings deshalb in Ehrfurcht zu erstarren. „Ich sehe uns nicht auf einer Stufe mit ihnen“, betont der TSB-Trainer, „aber in der Lage, sie an einem Tag zu schlagen. Für Pfullingen sind nicht so viele Fragezeichen da – außer wir sind das Fragezeichen, weil sie uns noch nicht kennen.“ Unbekümmert und mit einem kleinen Funken Aufstiegseuphorie will die Mannschaft aufspielen – und somit aus dem Fragezeichen tatsächlich das erste Ausrufezeichen einer neuen Zeitrechnung beim TSB Gmünd machen.
TSB: Mühleisen, Bauer – Abt, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Scholz, Bächle, Ortlieb Basualdo, Burtsche, Eilers, Kiesel, Maier, Waibel, Waldenmaier, Winger

(Nicolas Schoch)
„Wir fahren nicht dorthin, um nur zu gucken“
Es ist durchaus ein Duell mit interessanter Vergangenheit. Im Jahr 1984 hatte sich der TSB Gmünd durch einen 25:15-Finalsieg über den VfL Pfullingen den Württembergischen Pokal gesichert, letztmals standen sich beide Vereine in der Oberliga-Saison 2014/15 gegenüber. Zweimal machte der Underdog aus der Stauferstadt dem späteren Meister das Leben schwer, unterlag nur knapp mit 24:29 und 25:26. Fröhlich, der damals selbst auf dem Feld stand, erinnert sich gerne daran zurück. Auch wenn die Rollen abermals klar verteilt zu sein scheinen – hier der Neuling, dort ein etabliertes Spitzenteam – ist keinerlei Furcht zu verspüren. „Wir fahren nicht dorthin, um nur zu gucken“, bleibt der Trainer seiner Linie treu. „Es soll ein ganz normales Spiel werden, das wir dem Gegner schwer machen und für uns eine Bahn lenken, um es für uns zu entscheiden.“
Überhaupt hat der TSB unter Fröhlichs Regie echte Frühstarter-Qualitäten entwickelt. Sein Debüt vor zwei Jahren wurde völlig überraschend mit 33:27 beim damaligen Drittliga-Absteiger VfL Waiblingen gewonnen, im vergangenen September eröffnete ein 37:24-Derbytriumph über den TSV Heiningen die furiose Meistersaison. Nach Fröhlichs erstem Aufstieg als TSB-Spielmacher 2014 gewannen die Gmünder gleich einmal ihre ersten vier Spiele in der Oberliga Baden-Württemberg. Ein Wunschgedanke für den Start in die 3. Liga – oder tatsächlich ein realistisches Ziel? Ein solches Kaliber wie Pfullingen kann ein Hammerlos sein – oder eine Chance. Der TSB wird gleich einmal erfahren, wie nahe er dem höheren Niveau tatsächlich schon ist.
Syndesmosebandriss: Yannik Leichs fällt für die ersten Wochen aus
In dieser Hinsicht stellt die Saisonvorbereitung nur eine unbedeutende Momentaufnahme dar. Zumindest personell verlief es eher holprig. Im ersten Testspiel gegen die TSG Söflingen gewann der TSB standesgemäß mit 36:24, gegen den SKV Unterensingen gab es ein 28:28-Remis, gegen den VfL Günzburg eine knappe 28:29-Niederlage und in der Generalprobe gegen den TSV Schmiden einen 33:26-Erfolg. Zwischenzeitlich mussten die Gmünder dabei ohne ihre gewohnte Rückraumachse auskommen. Kaum waren einige Urlauber und Tom Abt nach seiner notwendigen Operation am Sprunggelenk zurückgekehrt, erwischte es Yannik Leichs. Der 26-Jährige riss sich gegen Unterensingen das Syndesmoseband und fällt wohl bis Oktober aus.
Fröhlich nimmt auch das sportlich: „Wer hat schon eine perfekte Vorbereitung? Wir machen das Beste daraus und das ist grundsätzlich auch gut genug, dass wir bestehen können.“ Es gehe nur darum, den eingeschlagenen Entwicklungsprozess fortzusetzen. Bestes Beispiel: In der vergangenen Saison schafften es die Jets, den Drucksituationen standzuhalten und die engen Spitzenspiele für sich zu entscheiden. Viel Zeit, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten, gab es ohnehin nie. „Als Trainer denkt man sich, man könnte auch nochmal vier, fünf Wochen trainieren. Ganz zufrieden wäre man wohl nie“, sagt Fröhlich. Umso klarer fällt sein Urteil aus: „Wir sind natürlich ein unbeschriebenes Blatt in der Liga und müssen uns da erstmal selber beweisen. Doch das ist jetzt der bestmögliche Zeitpunkt, wo es losgehen kann und ich bin guter Dinge, dass wir sehr unbequem sein werden.“
VfL Pfullingen: Traditionsverein mit zwei Bundesligatalenten
Riesige Vorfreude verspüren die Gmünder darauf, gleich einmal von der gewohnt stimmungsvollen Kulisse in der Pfullinger Kurt-App-Halle empfangen zu werden. Von einem Gegner, der einst 17 Jahre ununterbrochen der 2. Bundesliga angehörte und von 2002 bis 2006 sogar erstklassig war. Nach einer Insolvenz startete der VfL auf Verbandsebene neu, zählt seit 2015 zum festen Inventar der 3. Liga Süd und qualifizierte sich zweimal sogar für die Aufstiegsrunde. Zuletzt zeigten die Pfullinger zwei völlig unterschiedliche Gesichter, nach einer durchwachsenen Hinserie verloren sie nur noch zwei Partien arbeiteten sich bis auf den vierten Tabellenplatz vor. Entsprechend offensiv ist die Zielsetzung von Trainer Fabian Gerstlauer, der den Gmündern bereits zu Oberliga-Zeiten mit der SG H2Ku Herrenberg gegenüberstand: Wir wollen an unsere herausragende Rückrunde anknüpfen, oben angreifen und im oberen Tabellendrittel mitspielen.“
Auch in der Vorbereitung überzeugte Pfullingen mit zumeist deutlichen Siegen. Erst im letzten Test gegen den Ligarivalen HBW Balingen-Weilstetten II gab es beim 29:29 einen kleinen Dämpfer. Gerstlauer konnte dem allerdings etwas Positives abgewinnen: „Das tut uns gut, wenn es mal nicht so rund läuft.“ Der TSB trifft dabei auf eine variable Defensive, die sich zuletzt als wichtiger Erfolgsfaktor des VfL erwiesen hat. Personell hat sich Pfullingen gezielt verstärkt: Torhüter Sören Hamann kam vom Ligakonkurrenten TSV Neuhausen/Filder, Rückraumspieler Janne Böhm von der HSG Ostfildern.
Und zwei weitere Trümpfe hat der Gastgeber in der Hinterhand: Die Youngster Sascha Brodbeck (21) und Fynn Hofele (20) sind von Frisch Auf Göppingen mit einem Zweitspielrecht ausgestattet worden. Der Rückraumrechte Hofele stammt aus Wißgoldingen und machte voriges Jahr sein Abitur am Gmünder Parler-Gymnasium, bevor er ein Medizinstudium in Tübingen aufnahm. Parallel dazu gab er vergangenen Herbst sein Bundesliga-Debüt und rettete Frisch Auf mit einem Tor in letzter Minute das 24:24-Remis gegen Leipzig. „Hochachtung vor seinem Doppelleben und wie er das schafft“, sagt Fröhlich, der den talentierten Linkshänder einst im Gmünder Handballcamp während der Sommerferien unter seine Fittiche genommen hatte.
Ebenso groß ist die Wertschätzung für den Auftaktgegner insgesamt – ohne allerdings deshalb in Ehrfurcht zu erstarren. „Ich sehe uns nicht auf einer Stufe mit ihnen“, betont der TSB-Trainer, „aber in der Lage, sie an einem Tag zu schlagen. Für Pfullingen sind nicht so viele Fragezeichen da – außer wir sind das Fragezeichen, weil sie uns noch nicht kennen.“ Unbekümmert und mit einem kleinen Funken Aufstiegseuphorie will die Mannschaft aufspielen – und somit aus dem Fragezeichen tatsächlich das erste Ausrufezeichen einer neuen Zeitrechnung beim TSB Gmünd machen.
TSB: Mühleisen, Bauer – Abt, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Scholz, Bächle, Ortlieb Basualdo, Burtsche, Eilers, Kiesel, Maier, Waibel, Waldenmaier, Winger

(Nicolas Schoch)







































