Der Druck ist weg, doch die Spannung bleibt hoch. Nach seiner vorzeitigen Aufstiegsfeier geht der TSB Gmünd auch sein letztes Auswärtsspiel am Samstag (20 Uhr / Voralbhalle) ernsthaft an und kann die Aufstiegsträume des Nachbarn TSV Heiningen zunichte machen.

Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist perfekt – und wirkt immer noch nach. Selbst der sonst eher sachliche Trainer Aaron Fröhlich ließ nach dem dramatischen 31:29-Sieg beim TV Neuhausen/Erms am vergangenen Wochenende seinen Emotionen freien Lauf. Erst nach und nach wird allen Beteiligten bewusst, was sie erreicht haben: Den erstmaligen Aufstieg in die 3. Bundesliga, noch dazu als Meister einer starken Regionalliga Baden-Württemberg.
Zwischen Erleichterung und Realisation
„Der Druck fällt so langsam ab“, beschreibt Fröhlich seine Gefühlswelt. „Es braucht ein bisschen, um loszulassen, weil wir anderthalb Jahre eine Möglichkeit verfolgt und alles dafür investiert haben. Das löst sich nicht von heute auf morgen auf.“ Die Freude ist dem Erfolgstrainer, der in seiner Amtszeit herausragende 47 von 58 Ligaspielen gewonnen hat, aber weiterhin anzuhören. Nur ein Wermutstropfen bleibt: Der Antrag, das Saisonfinale in eigener Halle gegen den TV Plochingen vom Sonntag, 03. Mai auf den attraktiveren Samstagabend zu verlegen, wurde vom Verband abgelehnt. „Völlig begründungslos“, findet Fröhlich, „denn für beide Teams geht es gar nichts mehr, deshalb habe ich dafür kein Verständnis.“
Unabhängig davon denken seine Spieler selbst gar nicht daran, die verbleibenden Partien bloß abzuschenken. Erst recht nicht den bevorstehenden Lokalschlager beim TSV Heiningen. Einen Meisterspieler, wie er im englischen Fußball traditionell ist, dürfen die Gmünder von ihrem ewigen Rivalen nicht erwarten. Stattdessen wartet ein heißer Kampf. Diese Erwartungshaltung hat auch Michael Kohnle, der Sportliche Leiter des TSV Heiningen: „Das ist immer auch ein Derby und eine Frage der Ehre. Gmünd wird uns nichts schenken. Sie sind ein verdienter Meister und waren die ganze Runde am stabilsten.“
Ein Derby schenkt keiner ab
Die Gastgeber selbst werden bis in die Haarspitzen hochmotiviert sein. Zum einen, um die Erinnerung an den ersten Spieltag dieser Saison zu tilgen, als sie mit 24:37 aus der Gmünder Großsporthalle geschossen wurde. Zum anderen, weil die „Staren“ selbst nur allzu gerne dem TSB in die 3. Liga folgen würden. Um den zweiten direkten Aufstiegsplatz zu erobern, ist der Tabellenvierte (38:18 Punkte) allerdings darauf angewiesen, dass sowohl die HSG Albstadt als auch der TVS Baden-Baden (39:17) noch jeweils einmal verlieren. „Die Mannschaft hat das Potenzial für die dritte Liga und dieses Ziel strebt der Verein mittelfristig auch an“, erklärt Kohnle.

Möglicherweise ist der TSV schon in diesem heißen Saisonfinale der lachende Dritte. Seit der heftigen Auftaktschlappe haben sich die Heininger immer mehr gefunden und mit 12 Siegen aus den vergangenen 14 Partien einen beeindruckenden Lauf vorzuweisen. Einzig bei den direkten Konkurrenten HSG Albstadt (28:35) und beim TVS Baden-Baden (28:30) mussten sie sich seither geschlagen geben. Starkes Zweikampfverhalten und ein gnadenlos effektives Umschaltspiel ebneten am vergangenen Wochenende den Weg zu einem furiosen 42:27-Erfolg beim einstigen Angstgegner HC Neuenbürg. In den Hauptrollen: Der junge Linksaußen Moritz Fink (184/83 Saisontore) sowie die beiden Rückraumbrüder Nick (137) und Felix Kohnle (103). Eine emotionale Komponenten kommt hinzu, denn mit Simon Dürner wird am Samstagabend in der Voralbhalle ein langjähriger Anführer in sein Karriereende verabschiedet.
Eine Rivalität mit Geschichte – und Zukunft?
Keine Frage: Der TSB Gmünd und der TSV Heiningen, sie kennen und schätzen sich gegenseitig. 29-mal standen sich beide Vereine in den vergangenen zwei Jahrzehnten gegenüber. Mit 14 Derbysiegen und zwei Unentschieden haben die Heininger immer noch leicht die Nase vorne, auch wenn sich die Kräfteverhältnisse allmählich verschieben. Unter Fröhlichs Regie nämlich gewann der TSB bislang immer und könnte im Direktvergleich nun sogar gleichziehen.
Wobei es natürlich seinen ganz eigenen Charme hätte, wenn dieses Aufeinandertreffen nicht das letzte wäre und sich beide Nachbarn künftig als Drittligisten gegenüberstehen würden. „Ihre Chance ist da“, weiß auch Aaron Fröhlich. „Letztlich steht es uns aber auch gar nicht zu, darüber zu entscheiden. Wir spielen unser Spiel und geben unser Bestes. In einer Woche schauen wir auf die Endtabelle und wer sich dann direkt hinter uns eingereiht hat, der hat es auch verdient.“
Der TSB will rotieren und genießen, aber nicht nachlassen
Die Gmünder selbst verspüren noch einmal die Lust, sich stark zu präsentieren und zu beweisen, dass sie ein verdienter Meister sind. Wenngleich eine gewisse Rotation schon eingeplant ist, wie der Trainer durchklingen lässt. „Für uns als Mannschaft ist es auch wichtig, dass wir etwas zurückgeben an jene Spieler, die in den vergangenen Wochen etwas kürzertreten mussten. Wir werden mit Sicherheit alle Spieler noch einmal zum Einsatz bringen.“ Mit vollem Aufgebot wird der TSB anreisen, aber auch mit dem Ziel, ohne Verletzungen über die Ziellinie zu kommen. Nur abgeschenkt wird das Derby keinesfalls, wie Fröhlich garantiert: „Sondern ganz im Gegenteil. Wir können unsere beiden Spiele noch brutal genießen und werden absolut versuchen, diese auch zu gewinnen.“
Kurze Anreise, volle Halle, besondere Atmosphäre – viel schöner kann eine letzte Auswärtsfahrt in der Regionalliga kaum sein.
TSB: Klemm, D. Mühleisen, Immer – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)






































