Vor dem größten Schritt: TSB Gmünd will in Neuhausen Geschichte schreiben

Aufstiegstraum trifft Abstiegsangst. Der TSB Gmünd kann im drittletzten Saisonspiel am Samstag (20 Uhr / Hofbühlhalle) beim TV Neuhausen/Erms den Regionalliga-Titel klarmachen, muss sich aber auf harte Gegenwehr einstellen. Die Gastgeber stehen nach einer kuriosen Wendung im Tabellenkeller noch viel mehr unter Druck als ohnehin schon.

Die Ausgangslage ist klar – und elektrisierend zugleich. Mit sechs Siegen in Folge hat der TSB Gmünd (41:13 Punkte) nicht nur die Tabellenführung gefestigt, sondern auch schon die direkten Vergleiche gegen die Verfolger HSG Albstadt und TVS Baden-Baden (beide 37:17) für sich entschieden. Weshalb ein Sieg aus den verbleibenden drei Partien – in Neuhausen, in Heiningen oder zuhause gegen den bereits abgestiegenen TV Plochingen – genügt, um den erstmaligen Sprung in die 3. Liga perfekt zu machen. Daran hatten zuletzt selbst die gegnerischen Trainer keinen Zweifel mehr. Aus dem viel zitierten „vermutlich besten Team der Liga“ soll nun ein „ganz sicher“ werden.
 

Reife Spielweise, langer Atem

Die Euphorie schwappt längst über, diese will selbst der stets mahnende TSB-Coach Aaron Fröhlich gar nicht mehr dämpfen. „Jetzt ist es wirklich das entscheidende Spiel für uns“, will Fröhlich gleich den ersten Matchball verwandeln und damit Geschichte schreiben: „Wir werden das maximal motiviert angehen und auf das aufbauen, was wir die vergangenen sechs Wochen bei uns etabliert haben.“ Sein Team befindet sich in bestechender Form. Der jüngste 37:23-Kantersieg über den starken Aufsteiger SG Heddesheim spricht da ganz für sich alleine. Noch beeindruckender ist es, wie die Gmünder dem selbstgemachten Druck standhalten und immer reifer geworden sind. „Wir schaffen es, uns in die Spiele herein zu arbeiten“, erklärt Fröhlich: „Gerade gegen robuste Gegner, die uns nichts geschenkt haben, halten wir nicht nur dagegen, sondern treiben sie an ihre Grenzen. Am Ende mussten sie mehr Tribut zollen als wir. Das zeichnet uns aus, dass wir einen ziemlich langen Atem haben.“
Bevor die Meistersause steigen kann, muss der TSB noch einen weiteren Kraftakt bestehen. Denn Gastgeber TV Neuhausen/Erms kämpft ums sportliche Überleben, war zuletzt aber ebenfalls gut aufgelegt. Drei Siege in Folge gelangen dem TVN, der sich auch vorige Woche beim Tabellenvierten TSV Heiningen trotz einer Neun Tore-Hypothek nicht aufgab und nur hauchdünn mit 34:37 unterlag. Inzwischen ist der Liganeuling aus dem Stadtteil von Metzingen noch stärker unter Druck geraten.
 

Druck auf beiden Seiten – ganz nach dem Geschmack des Trainers

Der Hintergrund: Dem VfL Waiblingen wurde sein jüngster 29:28-Sieg bei der MTG Wangen aberkannt, weil ein eingesetzter Akteur unwissentlich nicht auf dem Spielberichtsbogen eingetragen wurde. Ein Anfängerfehler mit fatalen Fehlern. Wangen bekam die zwei Punkte am grünen Tisch zugesprochen, belegt damit zwar weiterhin den ersten von drei Abstiegsplätzen. Doch sowohl Waiblingen (21:33) als auch Neuhausen (20:34) schweben nun wieder in akuter Gefahr, zumal Wangen (18:36) die bei Punktgleichheit entscheidenden Direktvergleiche auf seiner Seite hat.
Für Fröhlich ist es eine Konstellation, die er sich nicht besser hätte wünschen können. „Beide Teams können sich nicht sicher sein und müssen liefern“, sagt Fröhlich. Im nächsten Atemzug warnt er eindringlich: „Neuhausen bietet überhaupt gar keinen Spielraum, dass man sie unterschätzt. Ganz im Gegenteil, Ich habe sogar das Gefühl, dass sie unter ihrem Wert spielen, auch wenn sie in der Rückrunde phasenweise deutlich verbessert auftreten.“ Tatsächlich bringt der TVN reich höherklassige Erfahrung mit. Besonders im Fokus steht Rückraumhüne Patrick Letzgus, der mit 181/48 Saisontoren zu den gefährlichsten Schützen ligaweit gehört und dem TSB im Hinspiel bereits elf Tore einschenkte. „Da hatten wir Probleme mit ihm“, gibt Fröhlich zu. Ohne seinen damals verletzten Spielmacher Tom Abt hatte sich der TSB im Dezember letztlich souverän mit 38:32 durchgesetzt, auch wenn Neuhausen kurzzeitig schnupperte. Die Devise ist deshalb klar: „Wir wollen es in der Abwehr besser lösen. Im Angriff befinden wir uns gerade in einem guten Lauf und wollen daran anknüpfen.“
 

Mit viel Rückenwind und großer Fanunterstützung zum ersten Matchball

Was den TSB zusätzlich trägt, ist die Welle der Begeisterung. Volle Halle, viele mitreisende Fans, wachsendes Interesse auch von Sponsoren – genau das, was Fröhlich seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren aufbauen wollte. „Wer viel investiert, bekommt in der Regel auch viel zurück“, beschreibt Fröhlich nicht nur den sportlichen Höhenflug, sondern auch die enorme Wertschätzung. Gerade im Amateursport seien solche Momente unbezahlbar: „Vor vollen Rängen um Erfolge zu kämpfen – das sind Erinnerungen, die bleiben.“
Wird also die Neuhausener Hofbühlhalle, in der einst Bundesliga-Handball geboten wurde, zum Startpunkt für die vorzeitige Meisterfeier des TSB? So prächtig die Laune in der Trainingswoche auch war, noch verschwendet niemand einen Gedanken daran. Der Trainer sorgt höchstpersönlich dafür, dass kein einziger Gedanke an die näher rückenden Feierlichkeiten verschwendet wird. „Wir konzentrieren uns nur auf die 60 Minuten“, betont Fröhlich. „Wir wollen diesen Sieg unbedingt, doch wie in den vergangenen Wochen wird uns der Gegner alles entgegensetzen. Wir müssen von Anfang an alles in die Waagschale werfen und dann bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass es für uns gut ausgeht.“ Was am späten Samstagabend passieren könnte, das spielt vorerst keine Rolle. Noch ein letzter Schritt. Und dann könnte aus dem großen Traum des TSB Gmünd endlich Realität werden.
 
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier
Aufstiegstraum trifft Abstiegsangst. Der TSB Gmünd kann im drittletzten Saisonspiel am Samstag (20 Uhr / Hofbühlhalle) beim TV Neuhausen/Erms den Regionalliga-Titel klarmachen, muss sich aber auf harte Gegenwehr einstellen. Die Gastgeber stehen nach einer kuriosen Wendung im Tabellenkeller noch viel mehr unter Druck als ohnehin schon.

Die Ausgangslage ist klar – und elektrisierend zugleich. Mit sechs Siegen in Folge hat der TSB Gmünd (41:13 Punkte) nicht nur die Tabellenführung gefestigt, sondern auch schon die direkten Vergleiche gegen die Verfolger HSG Albstadt und TVS Baden-Baden (beide 37:17) für sich entschieden. Weshalb ein Sieg aus den verbleibenden drei Partien – in Neuhausen, in Heiningen oder zuhause gegen den bereits abgestiegenen TV Plochingen – genügt, um den erstmaligen Sprung in die 3. Liga perfekt zu machen. Daran hatten zuletzt selbst die gegnerischen Trainer keinen Zweifel mehr. Aus dem viel zitierten „vermutlich besten Team der Liga“ soll nun ein „ganz sicher“ werden.
 

Reife Spielweise, langer Atem

Die Euphorie schwappt längst über, diese will selbst der stets mahnende TSB-Coach Aaron Fröhlich gar nicht mehr dämpfen. „Jetzt ist es wirklich das entscheidende Spiel für uns“, will Fröhlich gleich den ersten Matchball verwandeln und damit Geschichte schreiben: „Wir werden das maximal motiviert angehen und auf das aufbauen, was wir die vergangenen sechs Wochen bei uns etabliert haben.“ Sein Team befindet sich in bestechender Form. Der jüngste 37:23-Kantersieg über den starken Aufsteiger SG Heddesheim spricht da ganz für sich alleine. Noch beeindruckender ist es, wie die Gmünder dem selbstgemachten Druck standhalten und immer reifer geworden sind. „Wir schaffen es, uns in die Spiele herein zu arbeiten“, erklärt Fröhlich: „Gerade gegen robuste Gegner, die uns nichts geschenkt haben, halten wir nicht nur dagegen, sondern treiben sie an ihre Grenzen. Am Ende mussten sie mehr Tribut zollen als wir. Das zeichnet uns aus, dass wir einen ziemlich langen Atem haben.“
Bevor die Meistersause steigen kann, muss der TSB noch einen weiteren Kraftakt bestehen. Denn Gastgeber TV Neuhausen/Erms kämpft ums sportliche Überleben, war zuletzt aber ebenfalls gut aufgelegt. Drei Siege in Folge gelangen dem TVN, der sich auch vorige Woche beim Tabellenvierten TSV Heiningen trotz einer Neun Tore-Hypothek nicht aufgab und nur hauchdünn mit 34:37 unterlag. Inzwischen ist der Liganeuling aus dem Stadtteil von Metzingen noch stärker unter Druck geraten.
 

Druck auf beiden Seiten – ganz nach dem Geschmack des Trainers

Der Hintergrund: Dem VfL Waiblingen wurde sein jüngster 29:28-Sieg bei der MTG Wangen aberkannt, weil ein eingesetzter Akteur unwissentlich nicht auf dem Spielberichtsbogen eingetragen wurde. Ein Anfängerfehler mit fatalen Fehlern. Wangen bekam die zwei Punkte am grünen Tisch zugesprochen, belegt damit zwar weiterhin den ersten von drei Abstiegsplätzen. Doch sowohl Waiblingen (21:33) als auch Neuhausen (20:34) schweben nun wieder in akuter Gefahr, zumal Wangen (18:36) die bei Punktgleichheit entscheidenden Direktvergleiche auf seiner Seite hat.
Für Fröhlich ist es eine Konstellation, die er sich nicht besser hätte wünschen können. „Beide Teams können sich nicht sicher sein und müssen liefern“, sagt Fröhlich. Im nächsten Atemzug warnt er eindringlich: „Neuhausen bietet überhaupt gar keinen Spielraum, dass man sie unterschätzt. Ganz im Gegenteil, Ich habe sogar das Gefühl, dass sie unter ihrem Wert spielen, auch wenn sie in der Rückrunde phasenweise deutlich verbessert auftreten.“ Tatsächlich bringt der TVN reich höherklassige Erfahrung mit. Besonders im Fokus steht Rückraumhüne Patrick Letzgus, der mit 181/48 Saisontoren zu den gefährlichsten Schützen ligaweit gehört und dem TSB im Hinspiel bereits elf Tore einschenkte. „Da hatten wir Probleme mit ihm“, gibt Fröhlich zu. Ohne seinen damals verletzten Spielmacher Tom Abt hatte sich der TSB im Dezember letztlich souverän mit 38:32 durchgesetzt, auch wenn Neuhausen kurzzeitig schnupperte. Die Devise ist deshalb klar: „Wir wollen es in der Abwehr besser lösen. Im Angriff befinden wir uns gerade in einem guten Lauf und wollen daran anknüpfen.“
 

Mit viel Rückenwind und großer Fanunterstützung zum ersten Matchball

Was den TSB zusätzlich trägt, ist die Welle der Begeisterung. Volle Halle, viele mitreisende Fans, wachsendes Interesse auch von Sponsoren – genau das, was Fröhlich seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren aufbauen wollte. „Wer viel investiert, bekommt in der Regel auch viel zurück“, beschreibt Fröhlich nicht nur den sportlichen Höhenflug, sondern auch die enorme Wertschätzung. Gerade im Amateursport seien solche Momente unbezahlbar: „Vor vollen Rängen um Erfolge zu kämpfen – das sind Erinnerungen, die bleiben.“
Wird also die Neuhausener Hofbühlhalle, in der einst Bundesliga-Handball geboten wurde, zum Startpunkt für die vorzeitige Meisterfeier des TSB? So prächtig die Laune in der Trainingswoche auch war, noch verschwendet niemand einen Gedanken daran. Der Trainer sorgt höchstpersönlich dafür, dass kein einziger Gedanke an die näher rückenden Feierlichkeiten verschwendet wird. „Wir konzentrieren uns nur auf die 60 Minuten“, betont Fröhlich. „Wir wollen diesen Sieg unbedingt, doch wie in den vergangenen Wochen wird uns der Gegner alles entgegensetzen. Wir müssen von Anfang an alles in die Waagschale werfen und dann bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass es für uns gut ausgeht.“ Was am späten Samstagabend passieren könnte, das spielt vorerst keine Rolle. Noch ein letzter Schritt. Und dann könnte aus dem großen Traum des TSB Gmünd endlich Realität werden.
 
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

Fanbus nach Neuhausen!


Mit Unterstützung der Fahrschule Bischof hat der TSB Gmünd eine gemeinsame Busfahrt zum entscheidenden Auswärtsspiel organisiert. Die Abfahrt erfolgt am Samstag um 17:30 Uhr vor der Großen Sporthalle in Gmünd. Der Fahrpreis beträgt 12 Euro, die Plätze sind begrenzt. Anmeldungen nimmt Holger Sohnle aus dem Führungskreis des TSB unter der Telefonnummer 0163 6515539 entgegen. Allen Fans, die individuell anreisen, wird eine frühzeitige Ankunft empfohlen, da die Parkmöglichkeiten rund um die Halle des einstigen Bundesligisten begrenzt sind.
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)