Die Traumehe zwischen dem TSB Gmünd und Aaron Fröhlich geht in die nächste Runde. Zunächst gilt es am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) im Regionalliga-Aufstiegsrennen nachzulegen. Zum 50. Pflichtspiel des Cheftrainers reist ausgerechnet der VfL Waiblingen an, gegen den noch eine Rechnung offen ist.

Eine Überraschung ist es längst nicht mehr – nicht nur wegen der herausragenden sportlichen Bilanz. Als Spielmacher prägte Aaron Fröhlich den TSB Gmünd von 2012 bis 2022, nach einer kurzen Unterbrechung kehrte er als Trainer zurück und hat nun für die kommende Saison bereits fest zugesagt. Was für den 35-Jährigen auch nie in Frage stand, denn: „Den Anspruch, den ich an meine Jungs habe, habe ich auch für mich selber. Dass wir uns zu dem Projekt hier komplett bekennen und das mit allem, was wir haben, verfolgen.“ Anfragen anderer Vereine gab es nicht. Alleine schon, weil jeder weiß, wie innig die Traumehe zwischen Fröhlich und dem TSB gelebt wird. „Für wirklich größere Aufgaben müsste ich mich auch länger beweisen“, räumt der Coach ganz demütig ein, fügt hinzu: „Einen Wechsel wegen ein paar Tabellenplätzen oder Euros wird es für mich nicht geben.“
Kontinuität wird groß geschrieben beim TSB
Zumal der TSB derzeit viel Lust auf die Zukunft macht. Der Großteil des aktuellen Kaders, im Schnitt gerade einmal 24,1 Jahre jung, bleibt zusammen und hat sein volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Dazu zählen gleich sechs Eigengewächse, die Fröhlich bereits als Jugendtrainer unter seinen Fittichen hatte. Im Tor folgt Fabian Bauer (vom TSV Deizisau) auf Tobias Klemm, der zum Saisonende seine Laufbahn beenden wird. Der einzige Wermutstropfen ist es, dass Simon Fröhlich seine Tätigkeit als Co-Trainer zum Saisonende abgeben wird. Beruf, Familie und Viertliga-Handball lassen sich nicht länger vereinbaren. „Zwischenmenschlich und motivatorisch geht das weit über eine normale Co-Trainerrolle hinaus“, hebt Aaron Fröhlich den Stellenwert seines Zwillingsbruders hervor: „Diesen Mehrwert zu kompensieren, ist aus meiner Sicht nahezu unmöglich. Er wird uns in der Kommunikation mit der Mannschaft ganz extrem fehlen.“

Der TSB setzt bewusst auf Einjahresverträge – bei den Spielern wie beim Trainer. Dennoch planen beide Seiten langfristig. „Wir sind der gleichen klaren Meinung, dass wir noch nicht am Ziel und gemeinsam viel vorhaben“, sagt der Sportliche Leiter Jürgen Rilli. Die vorzeitige Verlängerung mit Fröhlich sei eine „absolute Glückssituation“, aber keineswegs selbstverständlich. Der Trainer habe in den vergangenen anderthalb Jahren nicht nur für ungeahnten Erfolg gesorgt und sich selbst weiterentwickelt. Auch die Kontinuität im Team sei Fröhlichs Verdienst, so Rilli: „Aaron lebt die gleiche Identifikation vor wie damals als Spieler. So sind wir inzwischen eine Top-Adresse für die jungen Spieler. Jeder war gespannt, ob wir unsere dynamische, schnelle Spielweise weiterführen können – und das ist uns gelungen. Der Erfolg kommt dann zwangsläufig.“
Zahlen, die für sich sprechen
39 Siege, ein Unentschieden und nur neun Niederlagen – die Bilanz unter Fröhlichs Regie liest sich beeindruckend, womit der TSB im Aufstiegsrennen ganz vorne dabei ist. Bei Amtsantritt war damit nicht zu rechnen. „Meine Analyse hat damals ergeben, dass es keine Mannschaft in der Liga gibt, die uns sicher schlägt“, blickt Fröhlich zurück. „Daher habe ich die Möglichkeit gesehen, dass wir jedes Spiel gewinnen können.“ Was dem Team seither oft gelungen ist. Fast schon verwunderlich hingegen, dass es bislang keine richtige Schwächephase gab: „Das hätte ich einer jungen Mannschaft auch einmal zugestanden. Große Täler mussten wir bislang nicht durchschreiten.“
Eine einzige kleine Formdelle erlebte der Tabellendritte, als er rund um den Jahreswechsel drei von sechs Partien verlor. Doch in den jüngsten Topspielen gegen Primus HSG Albstadt (38:34) und die HSG Willstätt/Hanauerland (41:27) meldeten sich die „Jets“ eindrucksvoll zurück. Ein Trend, den es nun zu bestätigen gilt. Besonders mithilfe der vermehrt offensiv agierenden und dadurch wieder stabilisierten Abwehr. Da kommt es vielleicht gerade gelegen, dass zu Fröhlichs 50. Pflichtspiel als Chefcoach der nächste Hochkaräter anreist.
Ein spezieller Gegner zum Jubiläum
Gegen den VfL Waiblingen feierte Fröhlich im September 2024 ein traumhaftes Debüt, als der damalige Drittliga-Absteiger mit 33:27 bezwungen wurde. Doch es folgten zwei schmerzhafte Niederlagen gegen die „Tigers“. Vor genau einem Jahr unterlag der TSB zuhause in letzter Sekunde mit 27:28, bei der 36:41-Niederlage in dieser Saison stand die eigene Defensive auf völlig verlorenem Posten. „Da war jeder Wurf ein Treffer“, ärgert sich der Trainer noch heute. Ohne aber daraus aber keine spezielle Angstgegner-Situation kreieren zu wollen. „Ob das Waiblingen ist oder nicht – wir wollen einfach die Entwicklung der vergangenen Wochen bestätigen und es besser machen als im Hinspiel.“

Die Gäste stehen „nur“ auf dem zehnten Rang, liegen in der verzerrten Tabelle aber gerade einmal fünf Minuspunkte vom Tabellenzweiten entfernt. Gegen Schlusslicht TSV Blaustein (43:27) sowie beim starken Aufsteiger SG Heddesheim (30:24) bewiesen die Waiblinger ihre wahre Qualität, unterlagen dem viertplatzierten TVS Baden-Baden zuletzt aber knapp mit 24:28. „Auf uns kommt eine Abwehrformation zu, die körperlich stark ist und grundsätzlich eher defensiv ist“, hat Fröhlich beobachtet. „Da gilt es wieder zu beweisen, dass wir vorne das nötige Durchsetzungsvermögen haben. Aber der Schlüssel wird ganz klar sein, nicht wieder über 40 Tore zu kassieren.“ Besonders acht geben müssen die Gmünder auf den gegnerischen Linksaußen Niklas Leukert (133/48 Saisontore) und den Rückraumrechten Martin Lübke (56).
Zwei große Konstanten allerdings sind den Waiblingern weggebrochen: Kreisläufer Jan Hellerich, der den Jets im Hinspiel große Probleme bereitet hatte, zog es beruflich in die Schweiz. Linkshänder Nick Bischoff, der im Sommer zum Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim wechseln wird, fällt seit Dezember mit einem Syndesmosebandriss aus. Dennoch sei der Gegner deutlich besser, als es der Tabellenplatz aussagt, so Fröhlich: „Sie haben immer noch einen hochwertigen Kader und zum großen Teil jene Spieler, die noch für sie in der 3. Liga gespielt haben. Wir gehen das deshalb maximal motiviert an.“ Der TSB muss am Samstag auf Kreisläufer Stephan Mühleisen verzichten, der berufsbedingt fehlt. Während Torjäger Niklas Burtsche wieder genesen ist, wurden allerdings Tobias Klemm und Jonas Waldenmaier von einer Krankheit erwischt.
Ein Trainer-Urgestein beim Gegner
Spannend ist auch der Blick an die Seitenlinie: Während Aaron Fröhlich seine dritte Saison vor Augen hat, gab VfL-Trainer Tim Baumgart unlängst seine Zusage für ein elftes Jahr. Ob auch für den Gmünder Chefanweiser eine solche Ära denkbar ist? „Elf Jahre sind nicht unbedingt mein Ideal“, meint Fröhlich, „weil ich denke, dass man nicht so weit planen kann und hin und wieder einen neuen Impuls braucht. Doch dass ich mich grundsätzlich zum TSB bekenne, wenn sich nichts Großartiges verändert, ist allen klar.“
Der 35-Jährige denkt nicht in Dekaden, sondern in Entwicklungsschritten. Am Samstag geht es zunächst um zwei wichtige Punkte – und darum, den Flow fortzusetzen. Das kleine Dienstjubiläum wäre ein guter Anlass.
TSB: Immer, Klemm (?), D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, Waldenmaier (?)

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)







































