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TSB lernt und siegt

21.11.2016. Nach zuvor zwei Niederlagen hat sich der TSB Gmünd eindrucksvoll zurückgemeldet und dem heimstarken TV Plochingen seine erste Niederlage vor eigenem Publikum zugefügt. In einer famosen ersten Halbzeit hatte die Mannschaft von Trainer Michael Hieber den Grundstein für einen souveränen und verdienten 29:32 (13:20)-Auswärtserfolg gelegt.

Es waren zwei ebenso bittere wie auch unglückliche Niederlagen, welche der TSB zuletzt in Herrenberg sowie gegen Willstätt hinnehmen musste. Auch deshalb, weil die Gmünder dabei lange Zeit vorne lagen, ihre Führung jedoch nicht über die Zeit bringen konnten. In Plochingen landete die Hieber-Truppe damit einen doppelten Befreiungsschlag: Über 60 Minuten hinweg agierte der TSB konsequent wie auch selbstsicher und verdiente sich damit die beiden Punkte.


Gut vorbereitet auf die offensive 3-2-1 Abwehrformation des TVP, waren die Gmünder mit der klaren Vorgabe einen drohenden Negativtrend abzuwenden, in die Partie gegangen. Beim in der Tabelle nur knapp schlechter platzierten Kontrahenten gaben die Gäste dann auch von Beginn an den Ton an, Aaron Fröhlich sorgte mit seinen ersten drei Toren bereits nach fünf Minuten für eine 2:3-Führung. Defensiv ließ der TSB nur wenig zu, immer wieder war auch Keeper Sebastian Fabian zur Stelle. Bis zum 6:8 (15.) war es noch ein Duell auf Augenhöhe, ehe sich die Gmünder zunehmend absetzen konnten. Der TSB spielte sich in dieser Phase in einen Rausch und überrannte die ersatzgeschwächten Hausherren förmlich. Oder um es mit den Worten von Jonas Leinss zu sagen: "Wir haben einfach geil gezockt." Erschwerend hinzu kam aus Plochinger Sicht nach 20 Spielminuten die Rote Karte für TV-Abwehrmann Julian Maier aufgrund eines groben Foulspiels an Fröhlich, welcher nach kurzer Pause wieder aufs Parkett zurückkehren konnte. Mit Fröhlich, Max Häfner, Philipp Schwenk wie auch Leinss besaß der TSB eine hohe Variabilität im Rückraum und machte sich diesen Vorteil zunutze. Beim 10:17 (26.) durch Schwenk war erstmals ein klarer Vorsprung herausgespielt, an der Seitenlinie ballte Michael Hieber beide Fäuste. "Bei mir ist es heute auch einfach gelaufen", freute sich auch Schwenk, welcher sich insgesamt acht Mal in die Torschützenliste eintragen konnte. Die Gmünder trafen quasi nach Belieben, Leinss sorgte beim 12:20 kurz vor der Pause für den bis dahin höchsten Vorsprung, Zum Vergleich: Damit hatten die Gmünder bereits einen Treffer mehr erzielt als in ihrem vorherigen Gastspiel in Plochingen, welches 19:19 endete. Im Gegenzug sorgte TVP-Spielertrainer Daniel Brack noch für den 13:20-Halbzeitstand, welcher nur noch wenig Spannung für den zweiten Durchgang versprach.

So sollte es auch kommen. Die Gmünder verwalteten ihren klaren Vorsprung in aller Souveränität, der Sieg sollte nicht mehr in Gefahr geraten. Der TSB machte das Spiel langsamer, wagte kein unnötiges Risiko mehr und präsentierte sich insgesamt abgezockter als noch in den vergangenen Wochen. Der Lernprozess der jungen Mannschaft war klar erkennbar und wurde belohnt: Im Vergleich etwa zum 30:30-Remis in Hofweier, als die Stauferstädter einen ebenso klaren Vorsprung in der Schlussphase noch aus der Hand gaben, blieben die Gmünder ruhig und lagen stets mit fünf bis acht Toren in Front. Bei effizienterer Chancenverwertung hätte das schlussendliche 29:32-Endresultat durchaus noch höher ausfallen können. Und einen Kritikpunkt gab es im ansonsten so herausragenden Auswärtsauftritt dann doch noch: "Es war nun das dritte Mal in Folge, dass der halbrechte Rückraumspieler unseres Gegners zweistellig trifft", ärgerte sich Torhüter Fabian darüber, dass seine Vorderleute den elffachen Plochinger Torschützen Henrik Bischof nicht in den Griff bekamen: "Da müssen wir dran arbeiten." Wirklich spannend wurde es dennoch nicht.

"Bis jetzt ist es eine annäherend optimale Saison für uns, wir sind absolut zufrieden", meinte Fabian schon glücklicher angesichts der 15:7 Punkte auf dem Gmünder Konto, welche den TSB zu einem unmittelbaren Verfolger von Spitzenreiter Kornwestheim machen. Der Rechnung von Michael Hieber zufolge fehlen also nur noch elf Zähler zum Saisonziel Klassenerhalt – und möglicherweise ist ja auch doch mehr drin in dieser Spielzeit? "Es ist unser Ziel, das Ergebnis der letzten Saison, den vierten Platz, noch zu toppen", meinte Schwenk selbstbewusst. Doch zunächst einmal gilt es, sich auf die kommende Partie gegen den fünfplatzierten TSV Deizisau zu fokussieren. Mit einer solch abgeklärten Leistung wie in Plochingen braucht es den formstarken Gmündern jedoch auch vor diesem schwierigen Heimspiel nicht bange zu sein.

TVP: Klimmer, Schwarz – Bischof (11), Brack (5/3), Seibold (4), Zimmermann (4), Werbitzky (2), Weiß (1/1), Hutter (1), Kübler (1), Maier, Petershans, Clement
TSB: Fabian, Juhnke – Schwenk (8), M.Häfner (8/2), Fröhlich (7/3), Bächle (4), J.Waldenmaier (2), L.Waldenmaier (1), Petersen (1), Leinß (1), F.Häfner, Waibel
Siebenmeter: 4/6 – 5/6
Zeitstrafen: 6 – 8 Minuten
Rote Karte: Julian Maier (TVP/20./Grobes Foulspiel)
Schiedsrichter: Dennis Brentrup/Heiko Ellscher (SG Kuchen-Gingen)
Zuschauer: 400


"Das ist absolut genial" - Stimmen zum Spiel

(sch) In bemerkenswerter Abgeklärtheit konnten die Gmünder das Verfolgerduell für sich entscheiden und sich somit in der Spitzengruppe festsetzen. Dabei überwiegt beim TSB vor allem die Freude darüber, den Negativtren abgewendet zu haben.

Daniel Brack (Plochinger Spielertrainer): "Ich kann meiner Mannschaft kämpferisch keinen Vorwurf machen. Ich bin keiner, der gerne jammert, aber heute wurde die Personaldecke einfach richtig dünn und wir hatten kaum noch Alternativen auf der Bank. Es ist einfach schwierig, sich mit nur fünf Mann im Training adäquat auf einen Gegner vorzubereiten. Es war auch ein verdienter Sieg für Gmünd, das muss man ganz klar so sagen. Uns gelingt es gerade nicht, in der Abwehr den Zugriff zu bekommen, um die Gegner dort vor Probleme zu stellen. Das ist aber auch auf die Kraftproblematik zurückzuführen, da kommt die Rote Karte dann natürlich noch erschwerend hinzu. Wir haben dennoch in der zweiten Hälfte Moral gezeigt und versucht, die Partie noch möglichst positiv zu gestalten."

Michael Hieber (TSB-Chefcoach): "Ich glaube, dass wir heute eines unserer besten Auswärtsspiele gemacht haben. Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir es sehr gut gespielt, haben viele Lösungen gefunden und hatten einen guten Torabschluss. Wir sind dadurch in einen Lauf gekommen und hatten auch das nötige Glück dazu. Ich glaube schon, dass wir heute auch verdient gewonnen haben. Ich bin in erster Linie froh, dass wir den Negativtrend gestoppt haben. In der zweiten Halbzeit sind wir kein Risiko mehr gegangen und haben gezeigt, dass wir lernen können. Das hat meine junge Mannschaft ganz gut hinbekommen."

Sebastian Fabian (TSB-Tormann): "In dieser Phase ist das jetzt natürlich sensationell. Wir hatten zuletzt zwei unglückliche Niederlagen und holen nun auswärts zwei Punkte bei einer sehr heimstarken Mannschaft, wo wir bislang selten was geholt haben. Wir haben damit die zwei Punkte zurückgeholt, die wir in der Vorwoche daheim verloren haben. Das ist absolut genial und ganz klar ein gerechter Sieg. Das Ergebnis hätte noch etwas deutlicher sein dürfen, wenn wir unsere Torchancen noch besser nutzen. Dennoch sind wir plötzlich der stärkste Angriff der Liga, wobei ich persönlich schon gerne ein paar Tore weniger bekommen würde."

Jonas Leinss (Gmünder Rückraumspieler): "Das war richtig stark. Wir hatten uns im Training vorgenommen, in der Schlussphase konsequenter zu spielen. Diese Souveränität haben wir heute gezeigt und verdient gewonnen."

Philipp Schwenk (TSB-Torjäger): "Das war eine gute Mannschaftsleistung, in der ersten Halbzeit haben wir den Gegner quasi überrant. Dann haben wir den Sieg souverän heimgespielt, was eine klare Steigerung im Vergleich zu den letzten Wochen war. Wir können damit zufrieden sein, doch nächste Woche wollen wir natürlich nachlegen. Wenn wir jetzt noch zwei Siege holen, dann haben wir eine richtig geile Hinrunde gespielt. Ich denke, wir werden die 26 Punkte für den Klassenerhalt relativ schnell haben und dann können wir schauen, ob wir unser Ergebnis vom letzten Jahr noch toppen können."

Nico Schoch

 

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