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Schwacher TSB betreibt lediglich Ergebniskosmetik

17.04.2016. Die weite Reise hin zur französischen Grenze hat sich für die TSB-Handballer nicht gelohnt: Nach 60 schwachen Minuten verabschiedete sich das Team von Trainer Michael Hieber ohne Zählbares aus der Hanauerlandhalle in Willstätt. Mit dem vermeintlich knappen Endresultat waren die an diesem Tag zu harmlosen Gmünder noch gut bedient.

Handball, Baden-Württemberg-Oberliga: Mit der 25:29 (9:17)-Niederlage beim TV Willstätt endet der Erfolgslauf des TSB Gmünd

Es war wahrlich ein Tag zum Vergessen: Nach zuvor vier Siegen in Serie folgte in Willstätt eine Bauchlandung für die Hieber-Sieben, welche an diesem Tag die nötige Aggressivität und den möglichen Esprit vollkommen vermissen ließ. Von Beginn an kamen die Gmünder mit der konsequenten Abwehrarbeit der Hausherren nicht zurecht und leisteten sich zahlreiche, unnötige Fehlwürfe, welche durch schnelle Gegenzüge des TV direkt bestraft wurden. Zehn Minuten dauerte es bis zum ersten Treffer durch Mittelmann Aaron Fröhlich – zu diesem Zeitpunkt lag man bereits klar mit 1:5 im Hintertreffen. Profitieren konnte der TSB auch nicht davon, dass Willstätts Christian Skusa nach einem harten Einsteigen gegen Fröhlich schon früh unter die Dusche geschickt wurde, was heftige Proteste von Seiten der Heimmannschaft auslöste: Die Rote Karte war doch eine sehr harte, aber auch vertretbare Entscheidung, welche den TV jedoch nicht aus dem Konzept brachte. Der Vorsprung wuchs kontinuierlich an, mit dem Pausenpfiff markierte Dominik Gross den vorentscheidenden 17:9-Halbzeitstand.
Mit dem Seitenwechsel macht ein im ersten Durchgang sichtlich genervter Sebastian Fabian im Gmünder Gehäuse Platz für Fabian Juhnke, welcher den gegnerischen Schützen jedoch zunächst ebenso wenig entgegen zu setzen hatte. Die beiden Außenspieler Támas Németh und Adam Bakos ragten beim TVW heraus, während sich die Offensive der Gäste sich weiterhin schwer tat und erst nach 55 Minuten die 20 Tore-Marke erreichen sollte. Fast schon bezeichnend, dass Abwehrchef Christian Waibel mit seinen Saisontreffern zwei und drei einer der treffsichersten TSBler war. Der Spielverlauf im zweiten Durchgang ist relativ schnell erzählt: Willstätt dominierte weiterhin nach Belieben und erreichte beim 23:11 (43.) seinen höchsten Vorsprung, ehe die Gmünder in der letzten Viertelstunde noch Schadensbegrenzung betreiben konnten: Vom 27:17 (52.) an konnten die Gmünder noch einmal auf vier Tore Unterschied verkürzen, in Gefahr geriet der klare und vollkommen verdiente TVW-Heimsieg zu keiner Zeit. Vor gerade einmal 70 Zuschauern und einigen wenigen Schlachtenbummlern aus dem Remstal setzte Fröhlich mit dem 29:25 den Schlusspunkt.
Ein Lichtblick in einem aus Gmünder Sicht enttäuschendem Auftritt war Youngster Sven Petersen: Der erst 17-jährige Rückraumspieler konnte sich im zweiten Durchgang gleich viermal in die Torschützenliste eintragen. Besonders geschmerzt hat Michael Hieber diese Niederlage nicht, doch hatte sich der TSB-Trainer selbstverständlich mehr vorgestelllt: "Das Auftreten in den ersten 40 Minuten hat mir persönlich weh getan, denn das war nicht die Mannschaft, die wir in den letzten Wochen gesehen haben." Mit der körperlichen Spielweise der Gastgeber sei man nicht zurecht gekommen, so Hieber. Für die verbleibenden zwei Begegnungen in Konstanz und zuhause gegen Heidelsheim bleibt dem Gmünder Coach noch ein Wunsch: "Wir haben heute unterm Strich einfach ein schlechtes Spiel gemacht, doch wir versuchen jetzt den vierten Platz zu halten, was für uns schon eine Sensation ist."
TVW: Zölle, Plschek – Bakos (6/3), Schlampp (6), Németh (4), Gross (4), Krzystof (3), Halmagyi-Filip (3), Knezovic (1), Markovic (1), Muhovec (1), Skusa, Jankowski
TSB: Fabian, Juhnke – Fröhlich (8), Petersen (4), Göth (3), M.Häfner (3), J.Waldenmaier (2), Waibel (2), Bächle (1), L.Waldenmaier (1), Schwenk (1), Schamberger, Leinss
Rote Karte: Christian Skusa (TVW/11./grobes Foulspiel)
Schiedsrichter: Dominic Fiess/Markus Lipps (Pforzheim)
Zuschauer: 70
"Die zweite Halbzeit gewonnen" – Stimmen zum Spiel
TSB-Trainer Michael Hieber: "Wir haben zwei richtig schlechte Saisonspiele gemacht, in Willstätt und in Heidelsheim. Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, dass ein ganz klar verdienter Sieg ist. Die Mannschaft, die mehr wollte hat gewonnen. Der Gegner war körperlich voll da, wollte und musste noch diese Punkte holen, um sicher drin zu bleiben. Die sehr physische Spielweise war meiner Mannschaft nicht recht. Willstätt hat das Spiel in der Abwehr gewonnen, wir hatten vorne keinen Zugriff auf das Spiel und haben dann Konter bekommen - da müssten wir in der Rückwärtsbewegung einfach schneller sein. Dennoch haben wir uns nicht aufgegeben und die zweite Halbzeit gewonnen."
TVW-Trainer Michael Bohn: "Der Sieg ist viel zu niedrig ausgefallen, aber das nehme ich wegen den zahlreichen Wechseln auf meine Kappe. Es war eine richtig starke Leistung von uns, vor allem in der Abwehr und - von den letzten 15 Minuten einmal abgesehen - bin ich voll zufrieden. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie noch lebt. Dieser Siegeswille war in den letzten Wochen so nicht erkennbar gewesen."
TSB-Routinier Patrick Schamberger: "Wenn du soweit fährst, musst du auf jeden Fall alles bringen und dann auch gegen so eine aggressive Abwehr von Anfang an dagegenhalten. Doch damit sind wir nicht zurecht gekommen und im Gegenzug ist Willstätt immer wieder zu schnellen Toren gekommen. Nach einer solchen Anfangsphase wird es sehr schwer, noch einmal ins Spiel zurückzukommen."

(Nico Schoch)

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