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„Respekt vor dem Weg zum Profi“

27.05.2014. Den letzten Aufstieg des TSB Gmünd erlebte Max Häfner als Elfjähriger auf der Tribüne – und drückte vor allem seinem Bruder Kai die Daumen. Sieben Jahre später steht er im Relegationsfinale gegen Hockenheim (Donnerstag, 17 Uhr, Großsporthalle) selbst auf dem Feld. Ein Porträt eines 18-Jährigen, der vor dem ersten großen Highlight seiner Laufbahn bemerkenswert souverän wirkt.

Für Max Häfner wäre es ein Traum – ebenso wie sein Bruder Kai – Handball-Profi zu werden, doch zuerst einmal will er mit dem TSB den Aufstieg schaffen.  (Foto: jps)

Es ist sicherlich nicht ganz fair, wenn sich die erste Frage, die man einem jungen, aufstrebenden Sportler stellt, auf den großen Bruder bezieht. Doch die Frage ist unvermeidlich, sie drängt sich geradezu auf: Ist es Fluch oder Segen, wenn der große Bruder Handball-Nationalspieler ist? Max Häfner, vor zwei Wochen volljährig geworden, antwortet gelassen. „In meinen Augen“, sagt der Linksaußen des TSB Gmünd, „ist es ein Vorteil. Vor allem, weil Kai mir Tipps geben kann. Wie er Handball, Schule und Studium unter einen Hut bekommen hat, war richtig gut. Ich kann von ihm lernen. Und warum sollte ich durch seinen Erfolg Nachteile haben?“
Die Parallelen zwischen Max und Kai Häfner sind nicht zu leugnen. Beide sind Eigengewächse des TSB, wurden von Vater Wolfgang Häfner jahrelang trainiert, schlossen sich in jungen Jahren parallel auch Frisch Auf Göppingen an, hatten in Michael Hieber den gleichen ersten Aktiven-Trainer und zeigten auf Anhieb im ersten Jahr bei den Erwachsenen sehr ansprechende Leistungen.
Wenn es optimal läuft, eint die Brüder ab Donnerstag ein weiteres Merkmal: einen Aufstieg mit dem TSB Gmünd. 2007 knallten im Schwerzer zuletzt die Sektkorken. Sieben Jahre später haben die Gmünder die ganz große Chance, eine weitere Liga nach oben zu klettern. Das Relegationsfinale am Donnerstag ist das erste ganz große Highlight für Max Häfner. „Es beeindruckt einen, solche Spiele mitzuerleben. Der Trubel, die ausverkaufte Großsporthalle, am Ende hoffentlich der Aufstieg.“
Rein sportlich betrachtet wird und will sich der Youngster gegen den HSV Hockenheim aufs Wesentliche beschränken. „Michael Hieber sagt immer zu mir: Mach das, was du kannst, weil was du kannst, ist prima“, sagt Häfner, der von zu vielen Gedanken und zu viel Nervosität nicht sprechen möchte: „Wir haben diese riesige Chance, also gehen wir raus und versuchen, unser Spiel aufzuziehen.“ Dazu gehört, dass Häfner möglichst oft versuchen wird, über die linke Außenbahn Tempo aufzunehmen. In der A-Jugend spielt er im Rückraum, am liebsten auf der Mittelposition, manchmal auch halblinks. „In der Mitte ist man tief im Spiel“, sagt Häfner, der dort einige Stärken bestens ausspielen kann: das Auge für den Nebenmann, seine Kreativität, seine Torgefahr. Auf der Außenbahn ist anderes wichtig: die Geschwindigkeit und die Wurftechnik aus schwierigen Positionen – doch auch die bringt der Youngster mit. „Ich spiele dort, wo man mich braucht“, sagt er. „Und auf der Außenbahn lernt man als Jugendlicher bei den Aktiven einiges.“
Die Doppelbelastung wird auch in der kommenden Saison Bestand haben. Häfner wird erneut für Frisch Auf in der A-Jugend-Bundesliga am Ball sein, zudem mindestens ein weiteres Jahr beim TSB Gmünd bleiben. „Das kommende Jahr wird ein wichtiges“, sagt er. „Das Abitur steht an, die Schule hat weiterhin Priorität.“ Parallel wird er sich sportlich weiterentwickeln wollen, ehe die große Frage ansteht, was nach Abitur und A-Jugend auf ihn zukommt.
Noch scheint er aber entspannt zu bleiben, er will auch keine Luftschlösser bauen. „Der Weg nach ganz oben ist eine große Sache. Ob das gelingt, weiß man nie. Vor dem Weg zum Profi habe ich großen Respekt.“ Was jedoch nichts daran ändert, dass Häfner in jedem Fall hochklassigen Handball spielen wird: „Ich mache das gerne, ich werde das weiterhin machen. Es geht nicht immer nur um Handball. Aber nichts anderes macht mir so viel Spaß.“
Das war schon immer so. Nachzulesen ist das unter anderem im Online-Archiv des TSB Gmünd. „Ich möchte irgendwann ähnlich erfolgreich sein wie mein Bruder“, wird Max Häfner im Alter von 13 Jahren zitiert. Und: „Irgendwann will ich mit ihm in einer Mannschaft spielen.“ Ob dieser Kinderwunsch in Erfüllung gehen wird? Zukunftsmusik. Zuerst geht es um die Gegenwart, um den Aufstieg in die BW-Oberliga. Allerdings mit vertauschten Rollen. Denn heute versucht der kleine Bruder, Spiele für den TSB zu gewinnen. Und der große Bruder sitzt applaudierend auf der Tribüne.

© Gmünder Tagespost 26.05.2014 (Swen Thissen)

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