Archiv

Unterstützt von:

Himmelfahrtskommando mit Stil

26.08.2015. Mit einem sehr jungen Kader in die zweite Oberliga-Saison: Der TSB Gmünd musste und wollte im Sommer sein Team im großen Stil umbauen. Der Weg zum Klassenerhalt könnte steinig werden, Trainer Michael Hieber reagiert mit einer veränderten Taktik. Ist dieses neuformierte Team stark genug für die Viertklassigkeit?

Die TSB Mannschaft

Die Mannschaft des TSB Gmünd für die Saison 2015/2016: Hinten (von links): Betreuer Ernst Heidler, Co-Trainer Simon Frey, Jonas Waldenmaier, Sebastian Göth, Sven Petersen, Jonas Leinss, Philipp Schwenk, Christian Waibel, Jan Häfner, Trainer Michael Hieber, Hauptsponsor Alfred Seitz. Vorne (v. l.): Max Häfner, Patrick Schamberger, Wolfgang Bächle, Fabian Juhnke, Sebastian Fabian, Felix Häfner, Christoph Köngeter und Aaron Fröhlich.  (Foto: Jens Schamberger)


Michael Hieber, der Trainer des TSB Gmünd, ist seit 1999 im Verein. Im Sommer 2016 wird er sein Amt zur Verfügung stellen, nach 17 Jahren in Blau-Gelb. Der Coach des TSB hat viel gesehen im Gmünder Schwerzer, doch vor der neuen Saison sagt er diesen einen Satz, der erahnen lässt, wie knifflig die Saison werden könnte, die seiner Mannschaft bevorsteht: „Das ist die schwierigste Aufgabe, die ich beim TSB je hatte. Dieses Jahr den Klassenerhalt zu schaffen, ist eine richtig große Herausforderung.“
Wer die Veränderungen im Kader des Oberligisten (siehe Extra-Text) analysiert, kann diese Schlussfolgerung verstehen: Mit Fabian Juhnke (Tor) und Christoph Köngeter (linke Außenbahn) kamen nur zwei Spieler mit Erfahrung, während die durch Abgänge entstandenen Lücken durchweg mit Spielern am Anfang ihrer Laufbahn geschlossen werden sollen. Der Trainer wird mit einer Veränderung des Spielstils reagieren (siehe Taktik-Analyse), macht aber kein Geheimnis daraus, dass auch er das Risiko erkennt: „Wir haben noch immer sehr großen Respekt vor der Oberliga. Ein Neuaufbau in der vierten Liga ist eigentlich der reine Wahnsinn.“
Doch auch wenn das Ziel des Klassenerhalts einem Himmelfahrtskommando gleicht, hat Michael Hieber keine Zweifel am Potenzial seiner Mannschaft. Zugegeben, er hatte mächtig zu knabbern am plötzlichen Abgang von Leistungsträger Dominik Sos und dem gesundheitsbedingten Abschied von Christian Tobias, die seine Planungen auf den Kopf stellten, „doch dann habe ich die Vorbereitung mit dieser Mannschaft erlebt“. Nach Phase eins ging es in den Urlaub, Hieber nutzte die Zeit, um in Ruhe die Lage des Vereins zu analysieren. Seither sprüht er vor lobenden Worten für sein neues Team. „Wir reden hier ja noch oft vom Geist, mit dem wir den Verein wieder nach oben geführt haben. Nun habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl, dass hier ein ganz neuer Spirit da ist, dass ein neuer Wind weht. Wir haben eine unglaublich konzentrierte, harmonische Vorbereitung erlebt, die Mannschaft ist heiß darauf, ein Projekt mitzugestalten.“
Wenn man das Projekt im großen Stil zeichnen möchte, geht es ab sofort darum, einen TSB Gmünd aufzubauen, der die nächsten fünf bis zehn Jahre gestalten könnte. Das mag übertrieben klingen – doch wenn man bedenkt, dass rund die Hälfte des Kaders zwischen 18 und 21 Jahren alt ist und dass absolute Leistungsträger wie Torhüter Sebastian Fabian und Spielmacher Aaron Fröhlich gerade erst so langsam im besten Handballeralter ankommen, ist das durchaus durch Zahlen zu belegen.
Hieber weiß das, weshalb er den Satz sagt, dass „ganz vom Verlauf der neuen Saison abgesehen, mit dieser Truppe die Zukunft des TSB Gmünd gesichert ist“. Doch dem Trainer geht es vorerst um die anstehende Runde, um die Frage, wie der Klassenerhalt geschafft werden kann mit dieser so unerfahrenen Mannschaft. Hieber weiß, dass es einen sehr wunden Punkt gibt: „Wir haben nicht viele erfahrene Leistungsträger – eine schwere Verletzung könnte da fatale Folgen haben.“
Doch auf der anderen Seite ist er optimistisch, dass die Entwicklung seiner Spieler schneller voranschreiten kann, als man das zwangsläufig erwarten darf. Ein hervorragendes Beispiel für diese Tendenz ist Max Häfner. Der Youngster ist ganz offiziell betrachtet ein Neuzugang aus der eigenen Jugend, weil er in sein erstes Jahr als reiner Aktiver geht. Doch de facto ist er bereits längst fester Bestandteil des TSB, er ist einer der besten Außenspieler der Oberliga, wird jedoch mehr und mehr Leistungsträger im Rückraum werden. Zweites Beispiel: Häfners Cousin Felix – vergangene Runde hatte er immer mehr Spielzeit, vor allem auch in der Defensive, und soll – nach einer richtig starken Vorbereitung - nun den nächsten Schritt machen. Hieber formuliert es so: „Die beiden sind ja nur ein Beispiel für eine ganze Mannschaft, aber zwei sehr gute. Man darf aber von solch jungen Spielern natürlich nicht immer konstante Leistungen erwarten, man muss ihnen auch mal einen schwachen Tag zugestehen.“
Was nichts daran ändert, dass das Potenzial da ist, auch mit neuem Gesicht den Klassenerhalt zu schaffen. Es ist eine Mammutaufgabe, es könnte ein Geduldsspiel werden. Und dennoch ist die Vorfreude auf die neue Saison groß. Hieber: „Wir haben keine Angst. Wir sind heiß auf eine spannende Saison. Und wer den TSB kennt, der weiß, dass wir kein Verein sind, der sich teure Spieler kauft für einen Neuaufbau. Wir haben diesen Weg bewusst gewählt.“

Zurück