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Hieber rettet lautstark die Partylaune

12.12.2016. Handball-Oberliga: Nach 18:19-Rückstand fertigt der TSB den TSV Blaustein noch mit 36:29 ab – Trainer-Standpauke in der Pause wendet das Blatt.

Dank einer starken Abwehr in der zweiten Halbzeit gewann der TSB Gmünd gegen den TSV Blaustein souverän 36:29. Überragend Keeper Sebastian Fabian (r.) und Christian Waibel (l.). Foto: Laible

n der ersten Halbzeit 18:19, im zweiten Abschnitt 18:9. Diese Einzelwertungen zeigen, dass den Gmündern der 36:29-Sieg gegen den TSV Blaustein am Samstagabend in der Großsporthalle nicht leicht von der Hand ging. Die 700 TSB-Fans feierten begeistert die jungen Jungs (Durchschnittsalter 22 Jahre) von Coach Michael Hieber, dessen emotionaler Ausbruch in der Pause den zunächst laschen Abwehrriegel der Hausherren wieder schloss und so die Partie drehte. Für Partystimmung sorgte vor dem Anpfiff die Vera-Braun-Tanzgruppe und Frontsängerin Barbara Streit mit der neuen TSB-Hymne „Du bist der geilste Verein“.

So war auch der Auftakt: 7:3 nach sechs Minuten, die „Scharfschützen“ des Tages, Aaron Fröhlich, Wolfgang Bächle und Max Häfner, trafen schon jeweils zweimal. Doch dann zeigte sich der Tabellenfünfte taktisch gut auf den TSB eingestellt – kein Wunder bei zwei Trainern. Tim Graf coacht von der Bank, Jan-Marco Behr leitet die Übungseinheiten unter der Woche. Der 28-jährige Ex-Bundesligaspieler des Bergischen HC arbeitet als Sportwissenschaftler in Blaustein und strukturiert das TSV-Spiel auf dem Feld. Das gelang ihm aus zwei Gründen immer besser: Der TSB wurde in der Abwehr „plötzlich lauffaul“, wie Hieber monierte, und der TSV wechselte den Torhüter: Ruhland pflückte nun die TSB-Bälle weg, die Konkel zuvor ins Netz rauschen ließ. Aus dem 7:3 wurde binnen fünf Minuten ein 7:8. Die Gmünder wankten, auch weil Max Häfner bis zur 26. Minute wegen Rückenschmerzen raus musste. Mit drei Gewaltwürfen verschaffte Fröhlich dem TSB nochmals einen Zweitorevorsprung, doch trotz verschiedener Abwehrvarianten von 6-0 über 5-1 bis 4-2, die „13“ (Steffen Spieß) und „3“ (Jan Marco Behr) von Blaustein, waren nicht zu zügeln. 13:12 und 14:13 führten die Gäste, die sich auch von Gmünder Zwischenspurts zum 16:14 und 18:16 nicht beeindrucken ließen. Mit dem Pausenpfiff donnerte Alexander Henze den Ball im Flug zum 18:19 ins TSB-Netz.

In der zweiten Halbzeit packten die Gmünder in der Abwehr entschlossener zu, Torwart Sebastian Fabian wuchs zum „Riesen“. „Das hat uns zu fehlerhaften Abschlüssen verleitet“, rügte TSV-Coach Graf, „so kam der TSB ins Rollen und wir haben Max Häfner nicht in den Griff bekommen“. Der Gmünder leitete mit vier Treffern in Folge vom 20:20 zum 24:22 die Wende ein. Beim 30:26-Zwischenstand in der 47. Minute warfen die Gäste selbst das Handtuch: Rapp handelte sich mit nach grobem Foul an Häfner und einer überflüssigen Reklamation eine Vierminutenstrafe ein – der TSB zog auf 33:27 davon und war damit durch. Nach dem Spiel heizte die Band Crazy Leo zur vorweihnachtlichen Handball-Party ein. Sven Kienhöfer hatte doppelten Grund zum Feiern - am Freitag wurde der TSB-Spielleiter zum ersten Mal Vater. Tochter Amilia Elisa und Mutter Melanie sind wohlauf. Bei aller Freude über den zweiten Tabellenplatz, der zum direkten Aufstieg in die 3. Liga berechtigen würde, will Kienhöfer erst nach den Topspielen beim Dritten TV Neuhausen (20.12.) und zu Hause gegen Spitzenreiter FV Kornwestheim (14.1.17) über neue Ziele sprechen. Für Anfang Februar ist ein Sponsorentreff geplant.

TSB Gmünd: Sebastian Fabian, Wolfgang Bächle (10), Jan Häfner (1), Sebastian Göth, Christian Waibel, Johannes Grimm, Aaron Fröhlich (11/1), Lukas Waldenmaier, Philipp Schwenk (1), Felix Häfner, Sven Petersen, Max Häfner (9/2), Jonas Leinß (2), J. Waldenmaier (2).
TSV Blaustein: Konkel, Ruhland, Jan Behr (3), Frey 5/4, Christoph Spiß (2), Glück, Steffen Spiß (6), Meiners (6), Rosenkranz, Werner (3), Staiger, Patrick Rapp (3), Henze (1).
Zuschauer: 700

Stimmen zum Spiel

Michael Hieber, TSB-Trainer: „So ganz schlecht sah ich uns in der ersten Halbzeit nicht, wir müssen unserem Gegner für eine engagierte Leistung Respekt zollen. Meine Jungs standen erstmals als Favorit unter Druck, das lähmte in der ersten Halbzeit das Abwehrverhalten. Stolz bin ich darauf, wie sie sich dann steigerten. Abwehren heißt arbeiten und laufen wollen. Daran werden wir weiter feilen.“

Tim Graf, TSV-Trainer: „Nur im ersten Abschnitt ist unser Plan aufgegangen. Dann hat unsere Innenverteidigung Max Häfner nicht mehr in den Griff bekommen; im Angriff haben wir viel zu schnell gegen einen aufmerksamen Gegner den Abschluss gesucht. Die Vierminutenstrafe gegen Rapp hat uns endgültig auf die Verliererstraße gebracht.“
Jan-Marco Behr, Spielertrainer TSV: „Nach einer guten ersten Halbzeit haben wir in der Abwehr den Faden verloren und zu viele freie Chancen versiebt.“

SvenKienhöfer, Abteilungsleiter TSB: „Wir hatten einen guten Start, doch dann zeigte der TSV Blaustein, weshalb er zur Spitze in der Oberliga gehört. In der zweiten Halbzeit drehten wir das Spiel dank einer Leistungssteigerung in der Abwehr mit einem tollen Sebastian Fabian.“
Aaron Fröhlich: „Wir haben unsere Pflicht erfüllt, jetzt können wir feiern. Entscheidend war unsere starke Abwehr in der zweiten Halbzeit. Unser Ziel 1 bleibt immer die zum Klassenerhalt notwendigen 26 Punkte. Und dann wollen wir die vielen Teams, die bessere infrastrukturelle und finanzielle Bedingungen haben als wir, ärgern.“

Max Häfner:„Ich habe seit langem im Rücken Schmerzen, nach einer blöden Bewegung konnte ich nicht mehr weiterspielen. Gott sei Dank gibt es Schmerztabletten, so konnte ich in der zweiten Halbzeit meinen Teil zum klaren Sieg beitragen.“
Sebastian Fabian: „Die zweite Halbzeit war geil. Als Torwart kann man nur glänzen, wenn man eine starke Abwehr vor sich hat. Das war heute der Fall.“ -wh-


© Gmünder Tagespost 11.12.2016 Winfried Hofele

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