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Hieber bleibt, sein Bruder kommt

22.03.2016. Der Rücktritt vom Rücktritt ist offiziell: Michael Hieber wird auch in der kommenden Saison den TSB Gmünd trainieren. Möglich macht das sein Bruder: Andreas Hieber wird neuer Co-Trainer. Auch die Mannschaft setzt ein Zeichen – das Team bleibt beinahe komplett zusammen.

Rücktritt vom Rücktritt, weil die Trainersuche keinen Erfolg brachte: Michael Hieber bleibt der bestimmende Mann am Spielfeldrand beim TSB.  (Foto: Tom)

„Ein Rücktritt vom Rücktritt ist immer so eine Sache, das hat etwas mit Inkonsequenz zu tun. . .“ So begann Michael Hieber im Anschluss an den 33:24-Derby-Sieg gegen Lauterstein seine Ansprache. Es ging darum, zu erklären, wieso er weitermacht – entgegen aller Ankündigungen. Hiebers Plan war sehr ernst gewesen: „Ich hätte wirklich gerne aufgehört und ich hatte das bis vor wenigen Wochen auch ganz fest vor.“ Abteilungsleiter Sven Kienhöfer wiederum wollte Hieber als Sportdirektor gerne weiter an den Verein binden.
Aber: „Es haben sich Dinge entwickelt, die einfach nicht vorherzusehen waren“, sagt Hieber. Zwei Aspekte muss man dabei kennen. Erstens: Die Verantwortlichen standen mit vier potenziellen hochkarätigen Trainern in Verhandlungen. „Alles hat nicht so funktioniert, wie wir und das vorgestellt haben“, so Hieber. Drei blieben jedoch bei ihrem aktuellen Verein, einem war am Ende der Fahrtweg nach Schwäbisch Gmünd doch zu weit.
Zweitens: Im Hintergrund entwickelte sich eine völlig neue Konstellation, „mit der ich nicht gerechnet habe“, wie Hieber sagt – und meint seinen Bruder. Andreas Hieber als Teil des Trainerteams, die Idee hatte Sven Kienhöfer ins Spiel gebracht. „Andi wird im Sommer zum zweiten Mal Vater. Dass er sich dennoch vorstellen kann, als zusätzlicher Trainer einzusteigen, habe ich nicht kommen sehen“, so Hieber.
Genau diese Konstellation war es, die Michael Hieber davon überzeugte, doch Trainer zu bleiben. „Die Entscheidung fiel am Ende zu Hause, gemeinsam mit meiner Frau Diana. Sie hatte am Ende nur eine Bedingung: Dass ich entlastet werde, weil Beruf, Familie und Handball in den letzten Monaten kaum noch zu vereinen waren.“
Entlasten, das wird sein Bruder tun: Andreas Hieber wird ein Training pro Woche leiten. Das soll aber nicht nur eine Erleichterung für den Cheftrainer sein, sondern auch neue Impulse setzen: „Andi ist ja Sportlehrer, er wird da ganz anders rangehen als ich. Ich freue mich drauf, ich bin mir sicher, dass er dem Team auf Anhieb helfen wird. Und dass ich ihm blind vertraue, weiß jeder, der uns kennt.“
Für den Klub ist diese Lösung die Premiumvariante, „eine Optimallösung“, wie sich Abteilungsleiter Sven Kienhöfer ausdrückte. Der hätte nie einen neuen Trainer gesucht, wenn Hieber nicht hätte aufhören wollen. Zudem wollte auch die Mannschaft mit Hieber weiterarbeiten. „Mehrere Spieler haben mich gebeten zu bleiben. Das ist natürlich auch ein Grund, weshalb ich noch einmal zugesagt habe. Ich bin mit dem Herz bei der Mannschaft.“
Der Kader wird komplett zusammenbleiben, mit einer einzigen, bereits bekannten Ausnahme: Patrick Schamberger spielt aktuell seine letzte Saison für den TSB. Hieber freut sich über die personelle Kontinuität, denn: „Wir werden auch kommende Saison Vollgas geben. Ich mache das nicht, weil es keine andere Möglichkeit gab. Ich mache das, weil ich noch immer hoch motiviert bin.“ Jetzt sei die Entscheidung da, „und jetzt stehe ich voll dahinter“. Auch wegen des Potenzials der Mannschaft: „Ich bin sicher, dass wir uns weiterentwickeln können. Die machen noch mal einen Schritt!“
So ist die Zukunft des TSB vorerst geklärt. Der 38-Jährige geht in sein sechstes Jahr in Folge als Cheftrainer. Hiebers aktuelle Amtszeit ist seine zweite als TSB-Trainer, sie dauert seit fünf Jahren an. Bei der Präsentation der Hieber-Hieber-Lösung hat Abteilungsleiter Kienhöfer erst einmal von der Saison 2016/17 gesprochen. Und dann? Die Frage will Michael Hieber nicht beantworten. „Wie lange ich bleibe? Ganz ehrlich, nach einem Rücktritt vom Rücktritt werde ich nicht den Fehler machen, mich da schon wieder zu schnell festzulegen.“

© Gmünder Tagespost 20.03.2016 20:17:50

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