„Ein paar Stunden weniger schlafen“

16.04.2010. Handball, Württembergliga: Im Abschiedsinterview spricht TSB-Trainer Rolf Kölle über seine sieben Jahre in Gmünd

Mit Leib und Seele TSBler: Am Samstag wird Trainer Rolf Kölle verabschiedet. „In zwei Jahren steigt der TSB auf“, sagt er im Interview. (Foto: jps)

Am 25. Januar 2003 trug er erstmals das Trikot des TSB Gmünd. Über sieben Jahre später, beim Heimspiel am Samstag gegen Schmiden, wird Rolf Kölle beim Württembergligisten verabschiedet. Der Handballer war Spieler, Co-Trainer, Sportdirektor und Chefcoach. „Ich möchte keinen Tag missen“, sagt der 41-Jährige. Im Abschiedsinterview spricht er über den nächsten Aufstieg, lobt die Gmünder Presse und fordert die Spieler auf, weniger zu schlafen.

 

 

Herr Kölle, am 1. Februar 2003 sagte der damalige TSB-Trainer Michael Hieber im GT-Interview: „Rolf wird uns voranbringen.“ Hat er Recht behalten?
Kölle: Ach, das sollen lieber mal andere beurteilen.
Dann anders gefragt: Was ist heute besser als vor sieben Jahren?
Auf jeden Fall die Spielklasse. Ich würde sagen, dass es eine erfolgreiche Arbeit aller Beteiligten war. Als Trainer freut es mich am meisten, dass wir weitere junge Talente aus der eigenen Jugend integriert haben.
Blicken wir doch mal zurück: Wie war das im Januar 2003, als Sie zum TSB kamen?
Der TSB war für mich Michael Hieber. Nur ihn kannte ich, weil Gmünd für mich als Süßener nicht direkt nebenan liegt.
Sie fühlten sich dennoch schnell dem TSB verbunden. Warum?
Es waren einfach tolle Strukturen vorhanden. Die mannschaftliche Hierarchie hat gepasst, Micha und Frank Koseck (der Ex-Kapitän; Anm.d.Red.) hatten das gut hinbekommen. Zudem hat die Abteilungsleitung mitgezogen. Es herrschte eine große Euphorie, auch im Umfeld, weil wir gleich aufgestiegen sind. Und auch die Gmünder Presse hat mich begeistert.
Warum denn das?
Ich glaube, in Schwäbisch Gmünd wissen nicht alle zu schätzen, welch tolle Arbeit Ihr leistet. Ich komme aus dem Lautertal, da ist man den Aufwand nicht gewohnt, der für den Lokalsport, und das gilt nicht nur für den Handball, betrieben wird. Klar mussten wir daher auch mal eher mit Kritik umgehen als anderswo. Aber das ist immer noch besser als gar nicht stattzufinden.
In diesem Jahr schürte die Öffentlichkeit den Aufstiegstraum. Ging Ihnen das zu weit?
Überhaupt nicht, die Mannschaft hat ja das Potenzial oben mitzuspielen und die Topteams zu schlagen. Nur haben wir auswärts gegen vermeintlich schwächere Gegner verloren. Ich hoffe, Ralf Rascher (der neue Trainer, Anm.d.Red.) kann diese Schwäche abstellen. Wobei unsere Saison dennoch unterm Strich erfolgreich war.
Gibt’s einen Grund für die notorische Auswärtsschwäche?
Ich würde nie sagen, dass jemand auf dem Feld nicht alles gibt. Im Gegenteil. Aber es ist auch eine Frage der Einstellung vor dem Spiel, am Donnerstag, Freitag. Fokussiert sich mein Blick da schon auf das Spiel am Samstag oder ist bis fünf Minuten vor Anpfiff alles Friede, Freude, Eierkuchen? Diese Fixierung auf das Spiel geht uns ab, erst recht, wenn das große Ziel ein wenig aus den Augen verloren wurde.
Also täuscht der Eindruck nicht, dass die Euphorie vor ein paar Jahren größer war, als man ins Titelrennen einsteigen wollte?
Das hängt auch mit der ersten Generation dieses Teams zusammen. Für sie war Handball die absolute Nummer eins, da gab es nichts anderes. Nicht mal ein Training am Sonntagmorgen wäre da ein Problem gewesen.
Ist das bei den jüngeren Generationen anders?
Einige junge Spieler planen ihre Karriere bedachter, ob beruflich, schulisch oder an der Uni, und das will ich gar nicht verurteilen. Aber wenn man aufsteigen will, muss ein Jahr lang alles andere hinten anstehen. Das muss aber von den Spielern selbst kommen, ich kann als Trainer niemandem vorschreiben, was er zu tun hat. Natürlich habe ich es akzeptiert, wenn jemand nicht trainieren konnte. Aber für den Aufstieg muss man halt nach dem Training lernen und ein paar Stunden weniger schlafen. Dieser Ehrgeiz muss von den Jüngeren kommen, die hier etwas aufbauen wollen. Die Älteren haben eben schon Familie und sind beruflich anders eingespannt.
Fehlt für den Titel also nicht die Qualität?
Nein. Schauen Sie doch unser Team an, jeder einzelne ist gut. Wir hatten in diesem Jahr einige Verletzte, die beiden Ersten nicht, zumindest nicht aus der Startformation. Aber natürlich wäre es einfacher, wenn Andreas Hieber wieder fit wird. Er macht vorne und hinten pro Spiel drei Tore Unterschied aus.
Auch ohne Aufstieg haben Sie es geschafft, das Team nach dem einen Jahr unter Pascal Morgant wieder zusammenzuschweißen.
Das war so eine typische TSB-Situation, in der der gesamte Verein zusammengestanden ist, auch die jüngeren Spieler, nach dem Motto: Jetzt raufen wir uns zusammen und setzen ein Zeichen. Wobei das Jahr unter Pascal, trotz mancher Probleme, ein lehrreiches war für die Mannschaft, er war immerhin Bundesliga-Kreisläufer. Einigen Spielern hat das gut getan. Pascal hatte das Hauptproblem, dass er als Spielertrainer gekommen war und sich dann so schwer verletzte. Das hat die Situation komplizierter gemacht, weil er dann auf dem Feld nicht mehr Teil des Teams sein konnte.
Herr Kölle, was waren in sieben Jahren beim TSB die schönsten Momente?
Das Spiel um den Aufstieg in Möhringen, vor wohl 400 Gmündern, diese Stimmung, im Team, auf den Rängen. Das war einmalig. Und die erste Ballmania, volle Halle, Aufstieg quasi perfekt.
Möhringen war aber gleichzeitig auch sicherlich einer der schlimmsten Momente, oder?
Die Niederlage schmerzte, aber dennoch würde ich es nicht als den schlimmsten Moment ansehen. Den gibt es ohnehin nicht, ich möchte keinen Tag in Gmünd missen. Ich war über sieben Jahre hier, und in jeder Funktion hat es immer noch mehr Spaß gemacht.
Bereuen Sie es aufzuhören?
Nein. Ich werde nun selbst mehr Sport machen, mindestens ein Jahr pausieren. Dennoch werde ich als Zuschauer dem Handball treu bleiben, natürlich auch dem TSB. Nur muss ich meinen Terminplan nicht mehr danach ausrichten.
Herr Kölle, zum Abschluss die einfachste Frage: Wann steigt der TSB Gmünd auf?
Der nächste Aufstieg? In zwei Jahren. Das wäre dann nämlich noch einmal ein letzter Anreiz für die älteren Spieler, doch noch weiterzumachen.

© Gmünder Tagespost 14.04.2010 (swen thissen)

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