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"Das kam sehr überraschend"

19.05.2017. Handball, Schiedsrichter: Das Gmünder Schiedsrichtergespann Stefan Czommer und Cristian Marin darf sich in der kommenden Saison in der dritten Liga beweisen

Cristian Marin und Stefan Czommer

Einen bemerkenswerten Erfolg konnten die Handball-Schiedsrichter Stefan Czommer und Cristian Marin verzeichnen: Nachdem sich die beiden Unparteiischen vom TSB Gmünd erst im vergangenen Sommer für die Oberliga Baden-Württemberg qualifiziert haben, sind sie nun glatt durchmarschiert und werden ab September Drittligaspiele leiten. Und damit ist das Maximum noch längst nicht erreicht, denn das Gespann hat noch zwei weitere mögliche Aufstiege bis in die Bundesliga im Visier.
 
Nach mittlerweile über zehn Jahren ist es für beide der vorläufige Höhepunkt ihrer Schiedsrichter-Laufbahn: Ende April stand dann fest, dass Czommer und Marin das geschafft haben, was den Oberliga-Handballern des TSB selbst nicht vergönnt war: Der Aufstieg in die dritthöchste Liga Deutschlands, den die beiden Gmünder den durchweg positiven Vereins- und Neutralbeobachtungen zu verdanken haben. Diese Schiedsrichterwertung orientiert sich im Aufbau und Wettbewerb am Spielbetrieb der aktiven Mannschaften. Nachdem das TSB-Duo erst im vergangenen Sommer aus der Württembergliga aufgestiegen war, kam der souveräne Durchmarsch für die beiden Oberliga-Neulinge selbst unerwartet: "Aufgrund der großen Konkurrenz war es unser Ziel, nicht abzusteigen. Als wir nach der Hinrunde relativ gute Beobachtungen erhalten haben und die E-Mail kam, dass wir uns für den Aufstiegskader qualifiziert haben, war die Freude sehr groß. Aber es kam auch sehr überraschend", blicken Czommer und Marin auf ihre herausragende Spielzeit zurück. Am Ende stand der erste Platz zu Buche – und damit der erneute Aufstieg. Bereits seit der Saison 2013/14 bilden die beiden ein Gespann. "Wir hatten damals keine Schiripartner mehr und haben versucht, ob wir zusammenpassen", erklärt der langjährige TSB-Tormann Marin und fügt schmunzelnd hinzu: "Es sieht wohl ganz gut aus."
 
Ein besonderes Augenmerk lag zu Beginn der abgelaufenen Spielzeit auf den abgeänderten Regeln, etwa in Bezug auf den siebten Feldspieler und die letzten 30 Sekunden. "Wir sind damit ganz gut klar gekommen", nennen die beiden Gmünder einen Teilaspekt ihres Erfolges: "Die Regeln wurden explizit auf den Lehrgängen vorgestellt und bearbeitet, wir haben uns richtig rein gehängt und privat nochmals durchgemacht." Auch die Kommunikation mit den Beteiligten war sicherlich ein Pluspunkt für Czommer und Marin: "Kritik gehört dazu, denn so können wir uns ständig verbessern. Wir sprechen bewusst nach Spielen mit den Trainern und fragen ob alles in Ordnung war und was wir hätten besser machen können. Unsere Kritikfähigkeit hat uns in dieser Saison ausgezeichnet", sagen die beiden Referees unisono.

In der 3.Liga erwarten beide "eine noch höhere Professionalität" und dass angesichts des schnelleren Spiels und der hohen Intensität eine gute Vorbereitung notwendig sein wird. "Da ist viel Kondition gefragt", betont Marin. Die Anreise zu den Begegnungen werden allerdings nur unwesentlich weiter sein, da in der Regionalliga Süd die meisten Mannschaften aus Baden-Württemberg stammen. Erstmals können die beiden Gmünder Unparteiischen in der neuen Saison nicht direkt wieder aufsteigen, sie müssen sich zuerst in dieser höheren Spielklasse beweisen. "Wir möchten auf jeden Fall so hoch pfeifen wie möglich und bestenfalls noch zweimal aufsteigen", verweisen Czommer und Marin auf ihren persönlichen Traum, eines Tages in der Bundesliga zu pfeifen.
 
Doch das Schiedsrichterwesen beim TSB Gmünd besteht nicht nur aus diesem höchstpfeifenden Gespann: Immer wieder finden gerade junge Sportler Gefallen an diesem schweren Amt und so konnte der TSB Gmünd in der abgelaufenen Spielzeit insgesamt elf Schiedsrichter stellen. Der Verein mit seinem Ansprechpartner und Schiedsrichterobmann Marin freut sich immer auf neue interessierte und motivierte Unparteiische. Doch nicht bei allen Handballclubs sieht es so rosig aus wie aktuell beim TSB: In den badischen Ligen etwa gehören Punktabzüge zum Ligaalltag, da die meisten Vereine aufgrund von Nachwuchsmangel ihren Schiedsrichtersoll nicht erfüllen können. Eine höhere Entschädigung könnte einen Anreiz bieten, um neue Schiedsrichter zu gewinnen.  "Grundsätzlich müssen die Vereine die Störenfriede aus der Halle entfernen, etwa wenn es Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie gibt. So etwas hat nichts mit Sport zu tun", fordern Czommer und Marin in erster Linie. Marin selbst ist ein Negativerlebnis im Kopf geblieben: "Vor etwa 10 Jahren bin ich nach einem D-Jugendspiel in Heidenheim körperlich angegangen worden, habe aber nie ans Aufhören gedacht." Dieser Mut ist nun mit dem Drittliga-Aufstieg belohnt worden.

 

Von Nico Schoch

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