Württembergliga
Hintere Reihe von links: Physiotherapeut Alexander Salkowski, Mannschaftsbetreuer Oliver Gaiser, Trainer Michael Hieber, Johannes Negwer, Benjamin Göth, Djibril M‘Bengue, Christian Waibel, Paul Boizesan, Simon Frey, Sebastian Göth, Abteilungsleiter Steffen Alt.
Vordere Reihe von links: Philipp Schwenk, Patrick Schamberger, Robert Steiner, Christian Tobias, Sebastian Fabian, Matthias Czypull, Andreas Hieber, David Frey, Johannes Frey.
Auf dem Bild fehlt: Cristian Marin
Zurück in die Zukunft
Eines muss man dem TSB lassen: Er hat in dieser kniffligen Situation schnell eine sinnvolle Lösung gefunden: Michael Hieber ist wieder Trainer im Schwerzer. Vorstellen muss man Hieber nicht. Acht Jahre lang, von 1999 bis 2007, war er Spielertrainer des TSB, stieg dabei von der Kreisliga in die Württembergliga auf, formte die Mannschaft, die im Kern bis heute besteht und war dabei sportlich immer eine der wichtigsten Stützen der Mannschaft. Hier jedoch beginnt die Neuerung: Der 33-Jährige ist nur noch Coach, nicht mehr Spielertrainer. Das ändert den Blickwinkel – und nimmt ihm die Chance, in sportlich entscheidenden Situationen selbst auf dem Feld das Heft in die Hand zu nehmen.
Hieber selbst spricht von einem „schleichenden Umbruch“, der begonnen habe mit dem Tag seines verletzungsbedingten Karriereendes. Was die Situation recht passend umschreibt – die Mannschaft muss sich intern neu strukturieren. Natürlich setzt der neue Trainer weiterhin auf die Spieler der ersten Stunde (Simon Frey, der Co-Trainer ist, Benjamin Göth, Andreas Hieber) und weiß, dass er sich auf Handballer verlassen kann, die er einst unter seine Fittiche nahm (Johannes Frey, Sebastian Göth, Patrick Schamberger). Doch gleichzeitig muss und will er die immer noch jungen Spieler voranbringen, die er (zum Teil) einst selbst integriert, in den letzten vier Jahren aber nicht mehr trainiert hat (Christian Tobias, Kapitän Sebastian Fabian, Matthias Czypull, Paul Boizesan, Johannes Negwer). Und dann sind da noch die Nachwuchskräfte, die es einzubauen gilt: Djibril MBengue, Christian Waibel, Cristian Marin, Robert Steiner und Neuzugang Philipp Schwenk. Zum erweiterten Kader gehört zudem David Frey, Bruder von Simon Frey, seit Jahren einer der absoluten Leistungsträger der 2. Mannschaft.
Keine Frage: Die TSB-Mannschaft hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Sie ist anders strukturiert als 2007, als Hieber sein Amt abgab, auch wenn die Leistungsträger noch immer die gleichen sind. Drei Trainer in vier Jahren haben unterschiedliche Spuren hinterlassen. Hieber weiß das, und er tut sich deshalb schwer, konkrete Ziele auszurufen: „Ich habe nur drei Wochen mit der Mannschaft gearbeitet. Für uns ist es wichtig, von Spiel zu Spiel zu denken. Dann wird man sehen, was möglich ist.“
Was am Ende wirklich möglich sein wird, hängt auch von der Frage ab, ob der TSB endlich mal ohne Verletzungen durch eine Saison kommt. Wenn Andreas Hieber fit bleibt und Johannes Frey endlich schmerzfrei trainieren kann, ist die Mannschaft stärker als vergangene Saison. Und sie hat ohnehin weitere Leistungsträger, von denen man weiß, dass sie Spiele auch mal alleine entscheiden können. Jedoch, und das ist der entscheidende Punkt: Die Gmünder Handballer brauchen auf dem Feld ein wenig mehr Struktur und Ordnung. „Wir wollen hinten dichter stehen, indem die Außen weiter einrücken“, sagt Hieber. Und er will vorne sehen, dass der Ball endlich wieder läuft, über mehrere Stationen, ballsicher auch in Drucksituationen, mit dem Auge für den besser postierten Nebenmann. Das Spiel, das er beschreibt, erinnert dann doch stark an die Jahre 1999 bis 2007. Teamhandball, viel Tempo, noch mehr Kampfgeist, eine sichere 6-0-Deckung, schnelles Umschalten, saubere Pässe, schönes Offensivspiel. So sah das einst unter Spielertrainer Michael Hieber oft aus. So soll es unter Trainer Michael Hieber wieder aussehen. Zurück in die Zukunft!
Doch Hieber ist sich bewusst, dass auch er Zeit brauchen wird. Schnell will er eine Einheit formen, doch das spielerische Element muss sich erst wieder nach seinen Vorstellungen entwickeln. Auch deshalb weigert er sich, (zu ehrgeizige) Saisonziele auszurufen. Und ohnehin geht es nun erst einmal darum, die Mannschaft zu festigen. Denn das Team war angefressen, als in der Sommerpause das Wort der Spaßhandballer durch die Presse geisterte. Hieber schüttelt über die Entwicklung dieser Diskussion nur müde den Kopf: „Diese Mannschaft“, sagt er, „hat man noch nie zum Training motivieren müssen. Ich war in der Vorbereitung eher damit beschäftigt, sie zu bremsen.“
Viermal in Folge war der TSB Teil des vorderen Tabellendrittels, ohne zu den echten Spitzenteams zu gehören. Diesen Status quo will man bewahren, um sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Man weiß, was die Mannschaft kann. Man weiß, was die Mannschaft nicht kann. Und doch weiß man in dieser unglaublich stark besetzten Württembergliga-Staffel nicht so wirklich, was in dieser Saison möglich ist.
Karla Kolumna



