Erfahrungsbericht unseres FSJ-lers Pascal Barth:
Handballcamp, Einführungsseminar und Sprache als Hindernis – die ersten 4 Monate meines FSJ
Als ich letztes Jahr, kurz vor meinem Abitur stand, begann für mich die Suche nach einem Platz für meinen Zivildienst. Der FSJ-Platz beim TSB war mir schon länger bekannt und für mich immer eine Traumstelle. Nachdem ich einen Schnuppertag mit dem damaligen FSJ-ler Cristian Marin verbracht hatte, der mit meinen ersten Versuchen als Übungsleiter endete, war für mich klar, dass ich diese Stelle unbedingt haben will. Ein paar Wochen später erhielt ich die Zusage und mein erster Einsatz als FSJ-ler folgte prompt.
Das Handballcamp stand an. Dies war für meine Betreuerin Heike Schmeiser die ideale Gelegenheit, wie sie selbst sagte, mich „ ins kalte Wasser zu schmeißen“. Keine Angst, so schlimm war es nicht! Es war eher ein warmes und herzliches Willkommen im Verein. Ich konnte meine ersten Versuche als Übungsleiter fortsetzen und bekam dabei kräftig Unterstützung von Heike und all den anderen Trainern. So lernte ich die ersten „Grundgriffe“ im Umgang mit Kindern und nebenbei auch noch ein paar Spieler, Trainer und Funktionäre des Vereins kennen.
Dem Handballcamp folgte nach den Sommerferien der offizielle Start. Die erste Woche meiner Bildungstage war der Auftakt und wurde in Albstadt abgehalten. Mit einem leicht mulmigen Gefühl, das wohl daher rührte, dass ich sehr gespannt war, was mich da erwartete und ich von einer langweiligen Seminarwoche ausging, machte ich mich auf den Weg. Als ich nach einer Woche wieder nach Hause fuhr konnte ich sagen, dass auch nicht das Geringste meiner Erwartungen zu traf. Das erste Zusammentreffen mit den anderen FSJ-lern war organisiert mit einem Programm das neben vielen wichtigen und notwendigen Tipps und Tricks für das FSJ-Jahr, jede Menge Sport mit lustigen Spielen, Spaß und Bewegung beinhaltete.
Eine wunderbare Woche in Albstadt war vorbei und ausgestattet mit den Grundfertigkeiten im Umgang mit Kindern und Jugendlichen konnte mein Alltag als FSJ-ler beginnen.
Der Job als FSJ-ler beim TSB begründet vor allem das Betreuen von Kooperationen mit Kindergärten und Schulen. Im Kindergarten sind die Stunden vergleichbar mit einem Kinderturnen. Dennoch sollten die Kinder auch hier den Umgang mit dem Ball lernen. Die Stunden in den Schulen sind zumeist Handball-AGs und somit handballspezifisch.
Während meiner Arbeit mit den Kindern hab ich festgestellt, dass nahezu jedes Kind anders ist und man mit ihnen auch unterschiedlich umgehen muss. Ein Erlebnis hierfür, das mich total erstaunt hat, war, als ich in einem Kindergarten eine Hilfestellung gegeben habe und das Kind anfing zu weinen. Es hatte die Eigenheit, dass es von niemandem angefasst werden wollte.
Hiermit verbunden ist auch, dass die Kinder von Kindergarten zu Kindergarten und von Schule zu Schule verschieden und ebenso nicht jeden Tag gleich sind. So sind die Kinder einmal total motiviert und an ein andermal wollen sie am liebsten nur auf der Matte liegen. Auch wenn es mir dann oft selbst schwer fällt mich an solchen schlechten Tagen zu motivieren, hab ich festgestellt, dass die Kinder sofort merken, wenn man selbst unmotiviert ist und es dann immer schwerer wird mit den Kindern zu arbeiten.
Als ich einmal zwei Matten für ein Spiel gebraucht habe sind die Kinder mitten in meiner Anleitung aufgesprungen und wollten die zwei Matten holen. Hier hab ich festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist Spiele den Kindern anzuleiten. Vor allem sie so anzuleiten, dass einem alle Kinder bis zum Schluss zuhören und es ihnen auch verständlich wird was sie tun sollen. Bei solchen Problemen haben mich jedoch die anderen FSJ-ler Sebi und Cristian, die noch selbst im Verein Tätig sind, sowie Heike, die mich bei meinen Stunden hin und wieder besucht und mir Tipps gibt, geholfen und mir Ratschläge gegeben. Was mir hierbei gut geholfen hat, war, dass ich mir zu Beginn meines FSJ-Jahres nach den Stunden immer aufgeschrieben habe, was gut und was schlecht gelaufen ist und mir dann überlegt habe, wie ich Dinge verbessern kann. Ich denke diese Form der Selbstkritik ist etwas Wichtiges im Umgang mit den Kindern.
Erstaunt hat mich, wie die Kinder immer mehr und immer früher Dinge, die berühmte Sportler vormachen, nachmachen wollen. Hierzu zählt jedoch nicht immer nur die sportliche Leistung, sondern auch die negativen und unfairen Dinge des Sports. Schon in der Grundschule wälzen sich die Kinder Minutenlang nach einem kleinen Foul am Boden. Ebenso sah ich am Anfang immer öfters auch Unsportlichkeiten wie versteckte Fouls, Ballwegschlagen u.ä. . Hier versuche ich den Kindern die Unsportlichkeit, oft auch mit speziellen Spielen, deutlich zu machen und ihnen diese somit zu nehmen.
Verwundert war ich darüber, wie wenig die Sprache ein Hindernis bei meiner Arbeit ist. In einigen Kindergärten und Schulen gibt es Kinder, die gar nicht oder nur schlecht Deutsch sprechen. Jedoch verstehen diese Kinder die Spiele und Übungen genauso schnell wie die anderen, da sie sich oft sehr genau anschauen was die anderen in der Übung vormachen.
Während meiner Arbeit in den verschiedenen Kindergärten und Schulen zeigt sich immer wieder ein großer Unterschied in der Ausstattung. Ein Kindergarten hat sogar nur dadurch die Möglichkeit Sport zu machen, in dem ich alle Kinder vom Kindergarten mit dem Vereinsbus in die Sporthalle fahre.
Generell lässt sich die Zusammenarbeit mit den Kooperationen als gut beschreiben. In den meisten Fällen wird man von den anderen Lehrern bzw. Erziehern stets freundlich empfangen und bei Problemen wird einem fast immer geholfen.
Meine Arbeit im Verein selbst besteht darin, dass ich die Bewirtung an den Heimspielen organisiere und bei den Trainings der Jugendmannschaften helfe, wobei ich die E-Jugend selbst trainiere.
Die Arbeit mit der E-Jugend macht mir viel Spaß. Hier sind die Kinder immer voll motiviert und Unterstützung von den Eltern wird gerne geleistet. Bei den anderen Jugendmannschaften fungiere ich sozusagen als Co-Trainer. Da ich hier eher im Hintergrund bin, gibt mir dies die Möglichkeit, mir selbst Übungen und Methoden abzuschauen.
Das Organisieren der Bewirtung läuft in den meisten Fällen ohne große Probleme ab und es bleibt immer wieder die eine oder andere Minute Zeit bei einem der Spiele zuzuschauen. Jedoch merkt man hier immer wieder, dass man sehr abhängig von freiwilligen Helfern ist und sich so doch des öfteren Probleme auftun, für die man selbst nicht verantwortlich ist.
Ebenfalls gehörte zu meinen Aufgaben einen Handballtag an zwei Schulen zu organisieren. Kinder aus der 1. und 2. Klasse konnten hier Übungen mit dem Ball durchführen und bekamen bei einer kleinen Siegerehrung eine Urkunde und das „Handballabzeichen“. Schön war es für mich, dass einigen Kindern dieser Tag so gefallen hat, dass sie dadurch nun bei der Handball-AG in ihrer Schule mitmachen wollten und ich sie dort wiedersehe.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich froh bin, mich für das FSJ entschieden zu haben. Ich konnte in den vergangen Monaten nicht nur viel über die Arbeit mit Kindern, sondern auch im Umgang mit anderen Menschen lernen. Ich denke diese Erfahrungen werden mich nach meinem FSJ dauerhaft begleiten. Ich freue mich auf die weiteren 8 Monate und hoffe, dass sie genauso gut verlaufen wie die letzten 4. Besonders Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Heike, die immer ein offenes Ohr für meine Sorgen und Probleme hat und mich unterstützt wo es ihr möglich ist.
Pascal Barth




